Neue Spielzeit der Wuppertaler Bühnen ist ein Kaleidoskop der Vielfalt

Spielzeit 2019/2020 : Neue Spielzeit der Bühnen ist ein Kaleidoskop der Vielfalt

Die Eröffnungsgala gab einen Einblick in das Programm von Oper, Orchester und Schauspiel.

Um Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ zu erleben, braucht man gutes Sitzfleisch. Denn rund 16 Stunden dauert das „Lied“ mit seinen vier Strophen. Doch für die nicht so ausdauernden Freunde des Musiktheaters gibt es Kurzfassungen.

Nun, wer sämtliche Vorstellungen der Wuppertaler Bühnen in der just begonnenen Spielzeit besuchen möchte, muss summa summarum sogar Tage einplanen. Denn umfangreich ist das Programm der drei Sparten. Wer diese Zeit nicht aufbringen kann oder will, war bei der Eröffnungsgala im Opernhaus sehr gut aufgehoben. Denn es brauchte inklusive Pause nur etwa zweieinhalb Stunden, um die nächsten Monate im Zeitraffer zu erleben.

Motivierte Schauspielabteilung vor voll besetztem Auditorium

Das Beste des Abends gleich vorneweg: Die Schauspielabteilung war vor einem voll besetzten Auditorium bis in die Haarspitzen motiviert. Kurze Ausschnitte aus Stücken etwa von Jean-Baptiste Molières „Der Geizige“ und William Shakespeares „Romeo und Julia“ wurden quicklebendig-packend dargeboten.

Selbstredend gab es auch Werbeblöcke. Die Intendanten Thomas Braus (Schauspiel) und Berthold Schneider (Oper) sowie erster Kapellmeister Johannes Pell, der die krankgeschriebene Generalmusikdirektorin Julia Jones vertrat, gaben Einblicke in die kommenden Produktionen beziehungsweise Konzertprogramme. Liegt Braus das inklusive Schauspielstudio sehr am Herzen, ist Schneider stolz auf die Neugründung des Opernstudios NRW. Laut seiner Aussage hatten sich 700 Sänger dafür beworben, wovon acht die Aufnahmeprüfung bestanden.

Diese glänzten mit bereits sicheren Stimmen, als sie Nummern aus Musiktheaterstücken Wolfgang Amadeus Mozarts, Benjamin Brittens, Johann Strauss (Sohn) und Frederick Loewe präsentierten. Auch die hier fest angestellten sechs Profis sangen etwa Arien von Gaetano Donizetti und Giacomo Puccini ausnehmend packend.

Probleme mit einer
sauberen Intonation

Dagegen machte das Sinfonieorchester Wuppertal unter den engagierten Dirigaten Pells, des Chordirektors, Studienleiters und der beiden Korrepetitoren einen fahrigen Eindruck. Wie ein roter Faden zog sich bei den Geigen ein Echoeffekt durch die Veranstaltung: Viele Einsätze und gezupfte Stellen waren nicht synchron. Die Holz- und Blechbläser hatten unüberhörbar ab und an Probleme mit einer sauberen Intonation. Oder die Cellogruppe entlockte ihren Instrumenten streckenweise sehr dünne, schüchterne, nichtssagende Töne. Von einem Klangkörper der A-Klasse wäre nach den Theaterferien mehr zu erwarten gewesen, zumal die überwiegend gängigen Stücke wie von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann seit der Zeit des Musikstudiums aus dem Effeff bekannt sein sollten.

Die Darbietungen der Schauspieler und Profisänger vom Opernensemble wurden mit dem frenetischsten Beifall gefeiert. Eine kleine Zugabe war das Resultat des lang anhaltenden Schlussapplauses.

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