Nachwuchs-Tenor Adam Temple-Smith gehört zu den Auserwählten des Opernstudios.

Sänger : Das Singen ist natürlicher Teil seines Lebens

Nachwuchs-Tenor Adam Temple-Smith gehört zu den Auserwählten des Opernstudios.

Als er mit der Schwebebahn gefahren sei, habe er sich wie im Freizeitpark gefühlt. Und als er beim Liederabend im Kronleuchterfoyer der Oper sang, die Schwebebahn im Rücken, sei das schon ein einzigartiges Erlebnis gewesen. Der Engländer Adam Temple-Smith lebt seit dem Herbst in Deutschland. Der junge Tenor ist einer von acht Sängerinnen und Sängern des Opernstudios. Die neue, zweijährige Ausbildung für Nachwuchsmusiker stemmen die Oper Wuppertal, das Theater Dortmund sowie die Musiktheater in Essen und Gelsenkirchen. Am Sonntag steht das Abschlusskonzert des Meisterkurses mit George Petrou an – im Kronleuchterfoyer.

Von Donnerstag bis Samstag lernten die Nachwuchsmusiker mit dem griechischen Dirigenten, Pianisten und Regisseur Petrou. Setzten sich mit musikalischer Präsentation oder der Interpretation von Musik auseinander. Der zweite Meisterkurs nach dem mit dem Sänger Bo Skovhus in Gelsenkirchen. Der erste in Wuppertal. Was sich davon im Konzert am Sonntag wiederfinden wird, wird noch erarbeitet. Aber bei der Musikauswahl gebe es eine starke Fokussierung auf die Musik des Barock, verrät Temple-Smith, den die Wuppertaler danach noch auf der Opernbühne erleben können – als Parpignol in „La Bohème“ („eine kleine Rolle, die ich sehr mag“) und ab Januar in dem neuen Stück „Chaosmos“, das das absolute Gegenstück zu Puccinis Oper sei. Im Dezember beginnen die Proben. Und am Ende der Saison führen alle Schüler des Opernstudios eine gemeinsame Produktion im Theater am Engelsgarten auf. Temple-Smith gibt gerne Konzerte, Opern aber liebt er, weil er mit anderen zusammenarbeiten könne, auf der Bühne stehe, wo Musik und Gesang und Schauspiel zusammenkämen.

In jungen Jahren wurde das
Singen Teil seines Lebens

Die Musik gehört von Anfang zu Adams Leben, das 1992 in Cambridge begann. Seine Eltern sorgten dafür, dass er seine künstlerische Ader erproben konnte, ohne Druck und Erwartung. Und so sang er, begann mit dem Klavier- und dem Saxophonspiel. Mit acht Jahren trat er in einen Kirchenchor ein, übte fünf Jahre lang dreimal in der Woche. „Das Singen wurde Teil meines Lebens, es fühlte sich natürlich an, so weiterzumachen“, erinnert er sich. Und weil sich Freunde aus dem Chor an der Chetham’s School of Music in Manchester bewarben, tat er es ihnen gleich, war „überglücklich“, als er mit 16 Jahren an der „prestigeträchtigen Schule“ aufgenommen wurde. In den folgenden zwei Jahren wuchs der Gedanke an eine „seriöse“ Beschäftigung mit der Musik. Mit 18 Jahren nahm Temple-Smith das Gesangs- und Performance-Studium an der Royal Northern College of Music auf. 2016 schloss er es mit dem Bachelor ab, nahm Engagements bei Konzerten, Opern und Festivals an. Gewann Wettbewerbe und Preise.

Deutschland sei bei jungen Sängern bekannt für seine gute Nachwuchsförderung, außerdem gebe es hier über 80 Opern, deutlich mehr als in England, ist sich der junge Mann sicher. Das Opernstudio wiederum sei eine einzigartige Kombination, die das Arbeiten und Lernen an vier Häusern erlaube. Also bewarb er sich Anfang 2019, sang in Essen vor und erfuhr im Juni, als er schon nicht mehr damit rechnete und andere Pläne gefasst hatte, dass er aufgenommen worden war. Also organisierte er kurzerhand sein Leben um und reiste im Herbst nach Dortmund, wo er seither wohnt. Zwischen den Städten hin und her reist. Sich wohlfühlt, gerne bleiben will: „Es wäre wirklich schön, in Deutschland meine Karriere zu starten.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung