Konzert: Nachtfoyer in Wuppertal mit DRA

Konzert : Nachtfoyer in Wuppertal mit DRA

Das Trio DRA gab im Rahmen der Reihe Nachtfoyer ein erstklassiges Gastspiel.

Entwickelt sie die Musik in der Klassik und im Jazz weiter oder sind die Möglichkeiten bereits ausgereizt? Ist die Klassik mit dem seriellen Verfahren an ihre Grenzen gestoßen? Was kommt nach dem Freejazz? Wird die Avantgarde auf diesen Gebieten nach wie vor groß geschrieben?

Zu beobachten ist jedenfalls seit einiger Zeit, dass bestehende Kompositions- und Improvisationsweisen immer wieder anders kombiniert werden, die Schranken zwischen beiden Sparten gefallen sind, in der Klassik wieder vermehrt melodische Bögen und Tonalitäten Einzug halten. Ein Paradebeispiel für einen neuen Umgang mit tradierten Mustern war im Kronleuchterfoyer des Opernhauses zu erleben, als das Trio DRA im Rahmen der Reihe Nachtfoyer ein erstklassiges Gastspiel gab.

Seit 1998 spielt das
Trio zusammen

DRA setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben der Nachnamen von Christopher Dell (Vibraphon), Christian Ramond (Kontrabass) und Felix Astor (Schlagzeug). Seit 1998 spielen sie zusammen. Seitdem ziehen vor diesem Trio selbst professionelle Jazzmusiker zu Recht ihren Hut.

Der Grund dafür konnte an diesem Abend erlebt werden. Zum einen ist jeder Musiker ein Meister an seinem Instrument. Zum anderen gehen sie hochmusikalisch und traumwandlerisch sicher mit so gut wie allen Stilistiken und Techniken der Moderne um.

Unverhofft kommt oft. Diese Redensart hätte man dem Konzert voranstellen können. Mit schnellen Tempowechseln, wenn niemand damit rechnet, überraschten sie andauernd. Das Gleiche  galt für komplexe Rhythmen, die unvermittelt changierten. Atonale Phrasen beziehungsweise Motive gingen nahtlos in hochvirtuose freie Improvisationen über. Auf der Polyphonie lag ein großes Gewicht, wenn etwa jeder der drei Vollblutmusiker so unterschiedlich spielte als würden drei Personen mit ihren individuellen Anschauungen einen Disput führen.

Ein breites
Musikspektrum

Astor konnte sogar seinem kleinen Drumset zwei konträre Beats parallel entlocken, sodass bei geschlossenen Augen der Eindruck entstand,  als agierten zwei Schlagzeuger. Sie konnten auch einer Meinung sein, wenn sie musikalische Themen eines anderen übernahmen und weiterspannen. Sieben Stücke wurden präsentiert mit Nummern als Titel, die ein breites Musikspektrum beinhalteten wie fest komponierte Teile (zeitgenössisch-klassische Kompositionsweisen, ein wenig Swing, Bepop oder latenter Rock) und Freiräume zur freien improvisatorischen Entfaltung.

Dabei zauberte Dell mit seinen vier Schlegeln intensiv-dichte, wieselflinke, verflochtene Tonfolgen und eine wirbelnde Akkordkaskade nach der anderen hervor. Ruhepol war Ramond, der für filigrane, sehr variable Basslinien sorgte. Dazu ging Astor perkussiv-kammermusikalisch genauso feingliedrig mit seinem Instrumentarium um.

Resultat war ein nicht enden wollender Schlussapplaus als Dank für eine brillante Gratwanderung zwischen klassischer Moderne und zeitgenössischem Jazz, der in eine Zugabe mündete.