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Nach 26 Jahren: So war Pina Bauschs „Blaubart“ im Opernhaus Wuppertal

Opernhaus Wuppertal : Pinas „Blaubart“ wird gefeiert

Im Wuppertaler Opernhaus wurde das Stück nach 26 Jahren erstmals wieder aufgeführt. Das Publikum würdigte die Leistung des Ensembles mit stehenden Ovationen.

Mit stehenden Ovationen ist am Freitagabend die Aufführung von Pina Bausch Stücks „Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Béla Bartóks Oper ,Herzog Blaubarts Burg’“ im Opernhaus gefeiert worden. Das 1977 in Wuppertal uraufgeführte Stück war 26 Jahre nicht mehr gespielt worden. Die Inszenierung ist eine sorgsame Rekonstruktion - mit 22 jungen Tänzern und Probenleitern, die früher selbst auf der Bühne standen, das Stück teilweise entscheidend mitgeprägt haben wie Jan Minarik. In die Titelrollen von Blaubart und Judith schlüpften nun Oleg Stepanov und Tsai-chin Yu.

Dieser Blaubart ist ein Übergangsstück, das noch feste Choreographien bietet. Dennoch enthält er schon viele, aus heutiger Sicht Pina Bausch typische Elemente wie die Wiederholungen, die Gruppen-Choreographien, den an unverhoffter Stelle hervorblitzenden Humor. Auch die Vorlage, Bartóks Oper, wird nicht nacherzählt, sondern bruchstückhaft zitiert. Besonderheit: Das Tonband mit der Aufnahme der Musik ist 23. Akteur auf der Bühne.

Vor allem aber behandelt auch dieses Stück ein zentrales Thema der berühmten Choreographin: Die vergebliche Suche nach Nähe und Liebe zwischen Frau und Mann, den Machtmissbrauch in Beziehungen, Traurigkeit und Verzweiflung. Zwar ist die Schockwirkung der 70er Jahre nur noch rational nachzuvollziehen, aber dieser Blaubart löst auch 2020 noch Beklemmungen aus. Und er ist aktuell wie nie – dazu braucht es nicht einmal die #metoo-Bewegung.

All das bringen die Akteure auf der Bühne überzeugend und fesselnd herüber. Rekonstruktion gelungen.

Eine ausführliche Besprechung der Aufführung folgt am Montag in der Westdeutschen Zeitung.