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„Mythen der Moderne“ brachten Wuppertalern „Die Stimme der Stadt“

Performancefestival Wuppertal : Busrundfahrt mit Megaphon statt Pop-up-Theater am Platz

„Mythen der Moderne“ brachten Wuppertalern „Die Stimme der Stadt“.

Dass es die Pandemie und das Wetter nicht gut mit ihnen meinten, focht sie nicht an. “Es nicht zu machen, wäre doch die falsche Aussage“, sagt Lydia Glup entschlossen. Die vielseitig orientierte junge Frau leitet das Projekt „Megaphonica - Die Stimme der Stadt on Tour“, das an zwei Tagen am Wuppertal Performancefestival zu Ehren von Joseph Beuys’ hundertstem Geburtstag teilnahm. Das im Kern partizipative Vorhaben hatte zu einer reinen Rundfahrt geschrumpft werden müssen. Und dann hatte auch noch der Regen die Beschriftung vom Fahrzeug gespült.

1971 gründete Beuys die „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, betonte damit die Bedeutung eines jeden einzelnen für die Stadtgesellschaft und verortete die Kultur im öffentlichen Raum. Hintergrund für das Projekt „Die Stimme der Stadt“ des interdisziplinären, seit 2015 im Rheinland beheimateten Künstlerkollektivs „Mythen der Moderne“. Das richtet seinen Fokus vorzugsweise auf die Geschichten, den die Moderne  in der Architektur erzählt. Das Kernteam bilden die Künstlerinnen Pia Janssen (Inszenierung), Bettina Erasmy (literarische Ebene), sowie der Musiker Hannes Strobl. Hinzu kommen projektbezogene Akteure wie die 32-jährige Lydia Glup und die 27-jährige Studentin an der Kunstakademie Düsseldorf, Lea T., die nun in Wuppertal aktiv wurden. „Die Stimme der Stadt“ sammelt wortwörtlich die Stimmen der Bevölkerung ein und bringt sie in die verschiedenen Ratssäle Nordrhein Westfalens zurück - also in gestaltete Gebäude, in denen partizipative Demokratie gelebt wird. Außerdem, erzählt Glup, soll so „aus einer Metaperspektive ein anderer Blick auf die Alltagsrealität“ geworfen werden.

Kunstvolle Collage
aus Text und Sound

Auch in Wuppertal hatten die Künstlerinnen im September 2020 Menschen auf den Marktplätzen von Elberfeld, Barmen oder Wichlinghausen nach ihrer Meinung zur Stadt gefragt. Sie hatten nicht nur Positives, aber durchaus Hoffnungsvolles zu hören bekommen. Als kunstvolle Collage aus Text und Sound sollten die Interviews ins Rathaus gespiegelt werden. Wegen der Coronakrise wurde aus „Die Stimme der Stadt“ „Megaphonica - Die Stimme der Stadt on Tour“, wurde ein VW-Bus wie ein Festivalwagen mit vier riesigen Lautsprecherboxen auf dem Dach und Megaphonen ausgerüstet. Das „nomadisierende Pop-up-Theater“ sollte auf den Plätzen die Soundcollage als Performance präsentieren. Doch auch dieser Plan musste abgespeckt werden. Die Busreise musste ohne Halt und Ausstieg bleiben, der Kontakt war nur mit Abstand, aus dem Fenster heraus, erlaubt.

„Wir erregen schon Aufsehen“, freuen sich die jungen Frauen. Die so angesprochenen Menschen hätten - nach erstem Erschrecken - meist interessiert, auch erfreut und gerührt reagiert. „Eine Dame wollte unbedingt, dass wir wiederkommen, damit sie ihre Geschichte hören kann, die sie uns im Herbst erzählt hat“, freut sich Glup und fühlt sich bestätigt, das Statement, auch in reduzierter Form gemacht zu haben. Die Aktion wurde - wie die andere Festivalprogramme - über stew.one gestreamt. Außerdem können Interessierte über einen QR-Code, der auf dem Bus angebracht war, die Soundcollage auch später noch nachhören.

Ende Juli wollen die Mythenerzählerinnen wieder nach Wuppertal kommen, um das Pop-up-Theater nachzuholen. Später soll dann auch noch im Ratssaal performt werden. Wenn es die Pandemie gut mit ihnen meint.