My Fair Lady: Musical-Hit mit Rückenwind aus Wuppertal

My Fair Lady: Musical-Hit mit Rückenwind aus Wuppertal

Franz Allers hat den Weltruhm des Singspiels am Broadway mitbegründet. Einst arbeitete er am Wuppertaler Opernhaus — bis die Nazis kamen.

Wuppertal. Am Samstag feiert das Schauspielensemble Premiere mit dem Musical My Fair Lady. Es wird lustig, frisch und frech im Opernhaus. Die Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle und des ehrgeizigen Sprachlehrers Prof. Higgins ist oft erzählt, noch öfter aufgeführt und stets gefeiert worden. So wird das auch am Sonntag ab 18 Uhr sein. Dafür sorgt schon Schauspielintendant Thomas Braus in der Rolle des Professors mit seinem hinreißenden komödiantischen Talent.

Foto: New York Public Library

Das Musical ist eine Legende. Seine Wurzeln führen bis nach Wuppertal zurück. Das Werk von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner wurde 1956 am Broadway aufgeführt und entwickelte sich zum Dauerbrenner. In sechseinhalb Jahren lehrte Prof. Higgins das Blumenmädchen mehr als 2700 Mal „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“.

Die Premiere am 16. Februar 1956 ist von Franz Allers dirigiert worden. Derselbe Franz Allers arbeitete von 1926 bis 1933 an der Barmer Oper. Auch hier feierte er Erfolge als Operettendirigent.

Wie es Allers in die USA verschlug, hat der Wuppertaler Historiker Micheal Okroy recherchiert. Er hat über die Geschichte des Opernhauses geforscht und seine Ergebnisse 2009 in dem Buch „. . . damit die Träume atmen können“ veröffentlicht. Darin findet sich am Rande erwähnt auch die Geschichte des Kapellmeisters Franz Allers.

Der Musiker wurde 1905 in Karlsbad geboren und trat im Alter von 21 Jahren eine Stelle als Kapellmeister an der Oper in Barmen an. Offenbar hatte seine Arbeit eine Qualität, die über die Grenzen Barmens und Elberfelds hinaus bekanntwurde. Denn schon im Jahr 1927 durfte Allers als Assistent bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth mitwirken. Dieselbe Ehre wurde ihm zwei Jahre später noch einmal zuteil. In diesem Jahr wurden die Werke des Komponisten auf Festspielen in Paris aufgeführt.

Lebensmittelpunkt von Franz Allers war in dieser Zeit aber durchgehend das spätere Wuppertal. In seiner Wahlheimatstadt sollten sich die Zeiten allerdings schnell ändern. Als Hitler und die Nazis am 30. Januar 1933 die Macht in Deutschland übernahmen, brachen die letzten sechs Wochen des Kapellmeisters aus Karlsbad an der Wuppertaler Oper an. Franz Allers war Jude. Bereits am 9. März übermittelten ihm die Nazis, dass er an seinem Arbeitsplatz nicht mehr erwünscht sei. Sie erteilten dem Kapellmeister Hausverbot. Es sollte nicht die letze Begegnung des Musikers mit den braunen Schergen gewesen sein. Allers floh in die Tschechoslowakei, arbeitete in Aussig als Kapellmeister am Stadttheater. Aber der Arm der Nazis reichte 1938 auch dorthin. Allers musste abermals fliehen. Über Belgien und England kam er im Oktober 1938 in die USA. Er war 33 Jahre alt und hatte nichts mehr, außer seinem Talent als Musiker.

Franz Allers fing wie so viele Juden aus Europa in den Staaten von vorn an. Und wie so viele Juden aus Europa prägte er die Neue Welt kulturell mit. Der Kapellmeister aus Karlsbad brachte es letztlich über Barmen und Aussig an den Broadway, wo er nach Kriegsende als Musicaldirigent von sich reden machte. Dank seiner Qualität war er maßgeblich am Erfolg eines Singspiels beteiligt, das später eines der berühmtesten und erfolgreichsten Musicals der Welt werden sollte.

Heute erinnert in Bayreuth eine Tafel mit dem Titel „Silenced Voices“ (verklungene Stimmen) an den an den Karlsbader mit Wuppertaler Geschichte. Allers starb am 26. Januar 1995 in Las Vegas.

Das Musical, dem auch er zu Weltruhm verhalf, ist lebendiger denn je. Das wird das Opernensemble morgen ab 18 Uhr beweisen.

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