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Musikhochschule: Direktor offiziell in Ruhestand verabschiedet.

„Niemals geht man so ganz“ : Wuppertal: Neujahrskonzert für Lutz-Werner Hesse

Musikhochschule: Geschäftsführender Direktor wurde nun auch offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Auch künftig als Kulturbürger will er „mitwirken, ohne zu stören“

Die Erfahrung, dass Kunst und Kultur in der Coronakrise keinen Wert haben, war brutal und bitter. Gerade für junge Menschen, die Musik studieren. Daran erinnerte Anja Schmidt-Ott, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Musikhochschule Wuppertal, im Rahmen einer Veranstaltung, die diese einschneidende Erfahrung unwirklich und unfassbar erscheinen ließ. Indem sie das Wirken eines Mannes würdigte, der sich der Musik und der Musikvermittlung verschrieben hat und indem sie eindrucksvolle Live-Musik bot. Am Sonntag wurde Lutz-Werner Hesse, der von 2009 bis Ende Januar 2021 Geschäftsführender Direktor des Standorts Wuppertal der Hochschule für Musik und Tanz (fMT) Köln gewesen war, im Rahmen des Neujahrskonzerts offiziell in den Ruhestand verabschiedet.

Aufgeregt ist Lutz-Werner Hesse eigentlich nicht, wenn ein Neujahrskonzert ansteht. Diesmal aber sei alles anders und er aufgeregt, begrüßte der 65-Jährige die Festgesellschaft - darunter viele Förderer und Unterstützer der Hochschule aus Stadt, Land und Bund sowie Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Bildung -, die sich im Mendelssohn-Saal der Historischen Stadthalle zu einem zweistündigen Programm eingefunden hatte. Anders sei es, weil das zweimal verschobene Neujahrskonzert der Hochschule im Juli stattfinde, verlegt in eine der schönsten Locations der Stadt, und ein Empfang auf der Terrasse möglich sei.

Neujahrskonzert mit Empfang auf der Terrasse

Keinen einzigen Tag habe er bereut, blickte Hesse sodann auf seine zwölfjährige Direktorentätigkeit zurück, die ihm „vielleicht sogar Berufung“ geworden sei. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit zählte er die Verankerung der Hochschule als systemrelevanter Teil der Gesellschaft, die intensivierten Kooperationen mit Einrichtungen in der Stadt wie Universität und Stadthalle, die Begründung der Kooperation mit der Alevitischen Gemeinde Deutschlands, die das Baglama-Studium einschließen soll, und den Generationswechsel bei den Dozenten. Hesse, der auch anerkannter Komponist ist, versprach, dass er als Kulturbürger, im Rahmen des Musiksommers und als Mitglied einiger Stiftungen auch künftig „mitwirken will ohne zu stören“. 

Eine Vertreterin und zwei Vertreter der jungen Dozentengeneration gestalteten das musikalische Programm der Veranstaltung, das klug ausgewählt verschiedene Akzente setzte und absolut hörenswert war. Auf das folkmusikalisch anklingende, beschwingte „Banjo and Fiddle“ des amerikanischen Geigers und Komponisten William Kroll (1901 bis 1980) folgte Claude Debussys (1862 bis 1918) impressionistische Sonate für Violoncello und Klavier mit ihrer Verbindung aus freier und Sonaten-Form sowie spanischer Folklore, das zwischen moderater und nervöser Stimmung schwankt. Außerdem Johannes Brahms’ (1833 bis 1897) Intermezzo op. 117,1 - ein spätromantisch-abgeklärtes, poetisches Stück mit melancholischem Duktus. Und als feierlicher Konzertabschluss Robert Schumanns (1810 bis 1856) wunderbares Klavierquartett Es-Dur op. 47. Die exzellente Musik erlaubte Live-Konzertgenuss vom Feinsten, virtuos vorgetragen von den Jung-Professoren Annette Hehn (Violine), Gabriel Schwabe (Violoncello) und Fabian Müller (Klavier). Zu denen sich bei Schumann auch „Alt“-Professor Werner Dickel (Viola) gesellte. 

Dickel gehört zusammen mit Dirk Peppel, Carmen Heß und Florence Millet dem vierköpfigen neuen Direktorium der Musikhochschule an, das auf Hesse gefolgt ist. Am Sonntag überreichte dieser einem jeden eine Rose als Staffelstab. Die Geschäftsführende Direktorin Millet bedankte sich für Leistung und Mut ihres Vorgängers und versprach im Team in seinem Sinne weiter Brücken zu bauen, Fantasie und Realität zu verknüpfen und alle Möglichkeiten im Sinne der Studierenden auszuschöpfen.

Brücken bauen, Fantasie und Realität verknüpfen

Anders war das Neujahrskonzert nicht zuletzt, weil es einen hohen Wortanteil, insgesamt sechs Reden, umfasste. Der Rektor der HfMT Köln, Heinz Geuen, erinnerte an die gute Zusammenarbeit mit Hesse, die den regionalen Hochschulverbund inhaltlich gefestigt, die Entwicklung des Standorts Wuppertals befördert und diesen damit auf die Zukunft vorbereitet habe. Auch Oberbürgermeister Uwe Schneidewind anerkannte die Verdienste Hesses um eine regionale Hochschule mit klarem Profil und Strahlkraft, als „Brückenbauer in der Sache klar und in der Form verbindlich“. Hesse habe den „gewaltigen Spagat“ zwischen Exzellenz und Stadtgesellschaft geschafft, die Hochschule als Ort etabliert, der die besten Musiker heranbilden will und zugleich lokale und gesellschaftliche Verantwortung trage. „Ich freue mich, dass Sie Kulturbürger bleiben und sich auch künftig einbringen wollen.“

 Welche Abschiedsmusik passt zu Lutz-Werner Hesse? Haydns gleichnamige Sinfonie mit ihrem fis-Moll-Einstieg harmoniert nicht mit der Schaffensmelodie, die in Dur geschrieben wurde, Frank Sinatras „(I did it) My way“ schon eher. Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität Wuppertal hielt eine sehr persönliche Laudatio, die den feinsinnigen wie hartnäckigen Menschen würdigte, den angenehmen wie humorvollen Teamplayer und den Künstler mit Strahlkraft, der der Hochschule ein Update verpasst und diese zum Netzwerkknoten für Kooperationen, auch mit der Universität, gemacht habe. Der junge Menschen ebenso für Musik begeistert habe wie ältere, der sich für das Sinfonieorchester eingesetzt habe und der zum Glück „an das Potential seiner Wahlheimat Wuppertal“ glaube und ehrenamtlich an dessen „Entfesselung“ weiter mitwirken wolle.

Darauf baut auch Schmidt-Ott, die die Verbundenheit mit dem „stillen Optimisten“ Hesse betonte, „von dem viel Kraft ausgeht“. Der „nutzt, ohne zu stören, und wenn du störst, dann ist das immer nützlich“. Und der am Sonntag das „wunderbare Geschenk“ ermöglichte, „dass wir die besondere Energie der Live-Musik erleben dürfen“.