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Musikalische Unterhaltung auf Augenhöhe in der Wuppertaler Stadthalle

Konzert : Musikalische Unterhaltung auf Augenhöhe

Das Rolston String Quartet war in der Reihe Saitenspiel zu Gast in der Stadthalle.

Eigentlich sollte es sich schon längst herumgesprochen haben, dass die Reihe „Saitenspiel“ in der Stadthalle Meisterkonzerte anbietet. Denn Kammermusik auf sehr hohem Niveau wird präsentiert. So verwunderte es, dass etliche Stühle im Mendelssohn Saal unbesetzt waren, als das Rolston String Quartet aus Kanada mit einem gehaltvollen Programm für einen Höhepunkt im Wuppertaler Musikleben sorgte.

Die Gattung Streichquartett ist die Königsdisziplin der klassischen Musik. Vier Musiker unterhalten sich musikalisch auf gleicher Augenhöhe miteinander. Solch ein Umgang miteinander kann in der Regel nicht einfach nebenher gepflegt werden, indem sich vier Musiker nur für ein paar Proben zusammenfinden und anschließend ein Konzert geben. Das gilt generell für das Genre Kammermusik. Vielmehr bedarf es einer jahrelangen intensiven Zusammenarbeit, um eine einheitliche Sprache und ein blindes Verständnis füreinander zu finden. Solch eine große Eintracht war bei dem Rolston String Quartet zu erleben. 2013 gegründet, brauchte es drei Jahre, bis es über Preise bei renommierten Wettbewerben überregional bekannt wurde und seitdem auch in Europa erfolgreich auftritt. Von seiner hohen Qualität konnte man sich nun auch in Wuppertal ein Bild machen.

Primaria Luri Lee und ihre Geigenkollegin brillierten mit einer gleichen, variablen, fein phrasierten Tongebung. Bratschist Hezekiah Leung faszinierte passend dazu mit einem runden, sanglichen Klang. Auch ließ Cellist Joshua Halpern selbst bei sehr schweren Passagen hinsichtlich souveräner, wie spielerisch leicht wirkender Spieltechnik und großen, tragfähigen Tönen keine Wünsche offen. Darüber harmonierten die vier Musiker ganz vorzüglich miteinander. Perfekt spielten sie etwa absolut synchron rhythmische und dynamische Übergänge.

Im Mittelpunkt stand ein
Werk von Erwin Schulhoff

„In Liebe und Verehrung“ lautet der Titel der Reihe in dieser Spielzeit. Damit werden Komponisten aus Böhmen und Mähren gewürdigt, die während des Nazi-Regimes in Konzentrationslagern umkamen und bis heute selten auf Konzertprogrammen stehen. An diesem Abend stand ein Werk von Erwin Schulhoff im Mittelpunkt, 1894 in Prag geboren und 1942 auf der Wülzburg bei Weißenburg in Bayern an Tuberkulose gestorben.

„O heilige Kammermusik, wo bist du hingeraten?“ soll der Komponist und Musikpädagoge Joseph Haas (1879-1960) über seine fünf Stücke für Streichquartett aus dem Jahr 1923 geurteilt, sie als „primitive Quartettkunst“ abgestempelt haben. Er verkannte nur, dass es die von Tänzen (etwa Wiener Walzer, Tango, Tarantella) angeregten Stücke faustdick hinter den Ohren haben, der Komponist ausgezeichnet mit Motiven, Metren und Harmonien spielte. Das Rolston String Quartet verstand es hervorragend, diese Strukturen, einhergehend mit viel Spielwitz, klar und kurzweilig zu vermitteln.

Den Rahmen dazu bildeten das zweite Streichquartett in a-Moll (op. 13) von Felix Mendelssohn Bartholdy und Ludwig van Beethovens letztes Streichquartett in B-Dur (op. 130) sowie die dazugehörige Große Fuge (op. 133). Höchst anspruchsvoll sind diese Kompositionen, was deren Gehalt, musikalischen Tiefgang und Spielkultur betrifft.

Die vier Spitzenmusiker ließen bei Opus 13 keinen Zweifel daran aufkommen, dass der 18-jährige Komponist Beethoven voll verstanden hatte. Seine darin verarbeiteten Reminiszenzen an seine späten Quartette brachten sie wie ein Epitaph für sein Vorbild außerordentlich nuanciert und leidenschaftlich zum Ausdruck. Auch führten sie Beethovens rund 45-minütiges Kolossalwerk intensiv, dicht und mit großartigen musikalischen Spannungsbögen auf.

Folglich wollte der begeisterte Schlussapplaus kein Ende nehmen. Dafür bedankte sich das Rolston String Quartet mit dem traumhaft schön gespielten zweiten Satz (Andante cantabile) aus dem ersten Streichquartett in D-Dur (op. 11) von Peter Tschaikowsky als Zugabe.

Die beiden nächsten Veranstaltungen finden am 28. und 29. März statt. Dann sind das Meccore String Quartet und Bennewitz Quartet zu Gast. Auf dem Programm stehen Werke von Leoš Janáček, Hans Krása, Peter Tschaikowsky, Pavel Haas und Franz Schubert. Tickets gibt es bei der Kulturkarte (Telefon: 563-7666), dem Kartenhaus in der Stadthalle (Telefon: 02405-40860) und im Internet.

www.saitenspiel.de