Musikalische Offenbarung: Ein Komponist und die Apokalypse

Musikalische Offenbarung: Ein Komponist und die Apokalypse

Der Wuppertaler hat mehr als ein Jahr lang an seinem neuen Werk gearbeitet. Am Sonntag stellt er es in der Immanuelskirche vor.

Wuppertal. Über Johann Sebastian Bach hat sich der Wuppertaler Komponist Konrad Hupfer geärgert. Nicht die großartige Musik des Barock-Meisters fand seine Kritik, wohl aber der Text zu seiner Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit". Hupfer: "Im Text heißt es immer nur: Du musst sterben. Mich interessiert: Wie aber wird gestorben?"

Dem ergebenen Sich-Fügen des Barock-Menschen, für den der Tod des Schlafes Bruder ist, der süß daherkommt, dessen Kommen mitten im Leben allgegenwärtig ist, setzt der Wuppertaler in seiner Komposition, die Teile der Bach-Kantate einbezieht, Zitate aus unterschiedlichsten Schriften entgegen. Morgen wird sie in der Immanuelskirche vorgestellt.

Den roten Faden bildet die Apokalypse aus der Offenbarung des Johannes. "Ja, komm, Herr Jesu, komm" - so heißt es erwartungsfroh bei Bach. "Komm! Komm! Komm!" - so donnern die Stimmen der apokalyptischen Reiter, die Krieg, Hunger, Pest und Tod bringen. Hupfer unterlegt die gesprochenen oder im Sprechgesang vorgetragenen Texte mit vielschichtigen Klängen von Flöten, Gamben, Gitarre, Vibraphon und Violine über dem Basso continuo.

Hupfer scheut sich nicht, informative Zeitungstexte zu verwenden, etwa über die Bedrohung der Menschheit durch Krankheiten, über die Vernichtung der Menschen durch Kriege, über die schwindenden Wasservorräte auf der Erde und qualvolles Verdursten: "Nicht die Hoffnung stirbt zuletzt, sondern der Durst."

Die im Simplicissimus beschriebene Folter durch die Landsknechte führte zu besonders grausamen Todesarten. "Um das Stück habe ich gekämpft", berichtet der 75-jährige Komponist. "Ich habe mehr als ein Jahr lang daran gearbeitet."

Stilistisch könnte man seine Komposition als textmalerisch bezeichnen. Hupfer notiert in exakter und freier Schreibweise und stoppt die Klangflüsse der offenen musikalischen Formen immer wieder plötzlich, unterbricht oder zerfleddert sie.

Melodischer und kontemplativ singt die Altstimme, begleitet von den Instrumenten, den Schluss: Im Gedicht von Rajzel Zychlinski, die im Konzentrationslager überlebte, klingt die Todeserwartung zwar versöhnlich und in das Naturgeschehen eingebunden. Sie spricht aber auch Ungerechtigkeiten an, die Gott in der Welt zulässt: "Die silbernen Wolken - nur der graue Star auf Gottes blinden Augen."

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