1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Kultur

Musik von schmerzlicher Süße

Musik von schmerzlicher Süße

Manuela Randlinger-Bilz spielte ein Harfenkonzert.

Wuppertal. Die Folge der „Solisten aus eigenen Reihen“ setzte Manuela Randlinger-Bilz, Harfenistin des Wuppertaler Sinfonieorchesters, fort. Im zweiten Konzert spielte sie unter Leitung von Toshiyuki Kamioka das Harfenkonzert von Francois-Adrien Boieldieu. Im Aufbau durchaus klassisch, lud das lichte C-Dur-Werk zum entspannten Zuhören ein.

Der Harfenistin oblagen immer wieder Solo-Passagen, die sie mit engagiertem und fein dosierendem Spiel ausführte. Und weil die Harfe auf einem Resonanz-Podest stand, beherrschte ihr Klang auch im Piano den großen Stadthallen-Saal. Melodisch ist diese Musik, aber auch von schmerzlicher Süße. Und die Musiker spielten besonders feinfühlig, um ihrer Kollegin allen Raum zur Entfaltung zu bieten. Mit einer zauberhaften Vivaldi-Zugabe bedankte sich Manuela Randlinger-Bilz für begeisterten Applaus.

Zwei eher unbekannte Werke von Paul Dukas überraschten durch Facettenreichtum und Dramatik, etwa in der „Polyeucte“-Ouvertüre, die von dem Adeligen erzählt, der zum Christentum konvertiert und für seinen Glauben sterben muss. Heftig spätromantisch wogend und mit Wagner-Anklängen bei den Bläsern entwickelte sich die Musik mit vielfältigen Solorollen der Musiker. Auch „La Péri“, ein persisches Tanz-Poem von Dukas zauberte diese bilderreiche Musik, die die Orchestermusiker unter Kamiokas zwingendem Dirigat gefühlvoll verwalteten. Entrücktes Streichersäuseln ließ glitzernde Wellen assoziieren und Flötenrufe an Vogelzwitschern denken: Der sterbende König raubt einer Fee die Blume der Unsterblichkeit, aber sie entwindet sie ihm wieder im Tanz. Das mehrfache Orchester-Piano machte schließlich klar: Der König muss sterben.

Auch Claude Debussys „Jeux“ ist eine Ballettmusik, die um ein Tennisspiel zwischen zwei eifersüchtigen Mädchen und einem Mann kreist. Wer diese Bilder nicht brauchte, erfuhr eine höchst vielseitige und unberechenbare Musik — schräg und schneidend, flirrend und ruhig, wogend und gewaltig variierte sie ein arabeskenartiges Thema. Höchste Anforderungen an sauberes und transparentes Spiel meisterten die Musiker des Sinfonieorchesters mit Bravour. vp

“ Das Konzert wird heute um 20 Uhr wiederholt. Lutz-Werner Hesse gibt um 19 Uhr eine Konzerteinführung.