„Musik von John Cage ist wie Poesie“

„Musik von John Cage ist wie Poesie“

Ute Völker ist ein großer Fan des Komponisten. Nun würdigt sie ihn mit einem Symposium. Im WZ-Interview erklärt sie, was dahinter steckt.

Frau Völker, Sie feiern den 100. Geburtstag von John Cage — nicht nur mit Musik, sondern auch mit Workshops und Vorträgen. „Imaginary Landscape“ heißt das mehrtägige Symposium, das an den Komponisten und Philosophen erinnern soll. Was schätzen Sie denn an John Cage und seiner Musik?

Ute Völker: Vor allem schätzen ich und meine Mitstreiter Uwe Fischer-Rosier und Karola Pasquay die Offenheit und Freiheit der Werke und die damit verbundene Vielfalt in Klanglichkeit. Seine Musik ermöglicht sowohl dem Spielenden als auch dem Hörenden ungeahnte und sehr persönliche Klangerfahrungen. Seine Musik ist für uns wie Poesie.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste musikalische Begegnung mit John Cage?

Völker: Die erste musikalische Erfahrung mit John Cage habe ich zusammen mit meiner Kollegin und Mit-Initiatorin Karola Pasquay in einem Seminar bei Karl-Heinz Zarius gemacht. Von da an hat uns beide die Faszination der Musikwelt von John Cage nicht mehr losgelassen.

Was bezwecken Sie mit dem Symposium „Imaginary Landscape“?

Völker: Wir möchten mit dem Symposion insbesondere die musikphilosophischen Ansätze von John Cage in den Fokus bringen, die aus unserer Sicht nichts an Aktualität verloren haben. Ein Schwerpunkt ist die Arbeit mit Studenten an der Musikhochschule und Laien an der Bergischen Musikschule.

Ein Höhepunkt dürften die Moderationen von Laura Kuhn sein, die auch am Freitag in der Musikhochschule in Barmen zu erleben ist. Die US-amerikanische Musikerin und Musikwissenschaftler leitet bis heute den John Cage Trust in New York. Was genau erwartet das Publikum?

Völker: Laura Kuhn arbeitete in den letzten Lebensjahren von John Cage eng mit ihm zusammen. Sie kann also in ganz besonderer Weise über das Verhältnis von Improvisation und Komposition in seinem Werk sprechen.

In vielen Ohren klingt Neue Musik zunächst einmal befremdlich. Weshalb haben Sie — im Gegenteil — Ihr Herz speziell an Zeitgenössisches verloren?

Völker: Neue Musik gibt mir Freiheit, mit Klängen zu spielen und Hörgewohnheiten aufzubrechen. Meine Musik ist immer eine Klangreise.

An welchen weiteren Projekten arbeiten Sie derzeit?

Völker: Zurzeit arbeite ich mit dem Ensemble Partita Radicale an einem neuen Konzertprojekt, das im kommenden Jahr Premiere hat. Am 8. Dezember stellen wir um 20 Uhr erste Auszüge des Programms in Peter Kowals „Ort“ an der Luisenstraße vor.

www.utevoelker.de

www.kowald-ort.com

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