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Musik macht aus der Stadthalle ein Barockschloss

Musik macht aus der Stadthalle ein Barockschloss

Ein packendes Erlebnis: Blechbläser traten gemeinsam mit Wolfgang Kläsener auf.

Wuppertal. Wenn Blechbläser auf eine Orgel treffen, steht der große Stadthallen-Saal mit pompöser Musik einem festlich aufgeputzten Barockschloss in nichts nach.

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr trafen beim ersten Konzert der Reihe Orgel-Akzente und beim vierten der Wuppertaler Orgeltage wieder Trompeter (Cyrill Sandoz, Robert Essig, Anja Richter), Posaunisten (Rosen Rusinov, Csaba Rabi, Ulrich Oberschelp) sowie Martin Schacht, der Paukist des Sinfonieorchesters, auf Wolfgang Kläsener an der Orgel, der die Orgeltage künstlerisch leitet.

Die Barockmusik von Händel, Picchi, Bach und Telemann ist in hohem Maße dazu angetan, die Gedanken schweifen zu lassen und der schönen Musik entspannt zu lauschen. Dazu trug das makellose Spiel der Musiker bei: Mal war die Orgel als eigene Stimme präsent, mal führte sie vermittelnde Zwiegespräche mit den schmetternden Trompeten und gewichtigen Posaunen, mal hielt sie sich als Continuo-Orgel vornehm im Hintergrund.

Wiegend, keck hüpfend, weich und kantabel oder auch mächtig und feierlich — alle Nuancen gediegener Barockmusik stellten die Musiker am Dienstagabend im perfekt aufeinander abgestimmten Spiel vor.

Nach der Pause stand die Romantik im Mittelpunkt: Ein fast heroischer Einzug von Richard Strauss mit der Harmonik von Max Reger in dessen Bearbeitung gewürzt, Richard Wagners trauernd-schreitender Pilgerchor aus dem Tannhäuser mit ersterbendem Pedal-Echo der Orgel oder Charles Marie Widors machtvolle Lobeshymne „Salvum fac populum“ von 1916 mit heftigen Modulationen und belebenden Takt- und Rhythmuswechseln — diese Musiken gingen ins Ohr und blieben lange haften.

Dazwischen spielte Wolfgang Kläsener die Orgel solistisch: Bachs Toccata, Adagio und Fuge (BWV 564) mit frischem Zugang, auch im gewichtigen Pedal-Solo leichtfüßig und transparent.

Und natürlich durfte zum 40. Geburtstag der Orgeltage Max Reger nicht fehlen: Zu seinem 100. Geburtstag waren 1973 die Orgeltage aus der Taufe gehoben worden. Kläsener wählte seine Fantasie über den Choral „Wachet auf ruft uns die Stimme“ von 1900. Er meisterte das hochgradig schwierige, aber ausdrucksvoll am Text orientierte Werk mit Bravour: Ob düstere Symbolik, an Wagner anklingende Mystik oder jubelnde Mehrstimmigkeit — sein Spiel packte die Zuhörer im Innersten.

“ Am Freitag, 11. Oktober, spielen 13 Wuppertaler Organisten bei der Orgelnacht in St. Antonius in Barmen (19.30 bis 24 Uhr). In den Pausen gibt es Raum für Gespräche, Snacks und Getränke.