Wuppertaler Kultur: Musik für die Götter

Wuppertaler Kultur : Musik für die Götter

Interkulturelles und -religiöses Spektakel im Internationalen Begegnungszentrum.

Auf Einladung des Caritasverbandes präsentierte der Wuppertaler Komponist Charles Petersohn mit 12 Mitwirkenden aus Düsseldorf, Köln und Wuppertal ein interreligiöses Dialogkonzert mit seinem Souls & Spirits Orchestra im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) in Unterbarmen.

 „Musik für die Götter“ stellte den aktuellen Konflikten das Verbindende der unterschiedlichen religiösen Musik entgegen. Mit leisen, arabisch anmutenden, dunklen Tonlinien begann Marvin Dillmann auf dem Didgeridoo im Duo mit Ahmald Anousheh an der hell und klar klingenden persischen Rohrflöte Ney. Der hymnische Einstieg ging nahtlos in das bekannte „Salam Alaikum“ über. Mit Inbrunst stiegen die Vokalistinnen Anna Muminovic, Hedieh Anousheh und Philippine Pachl in die arabische Grußformel („Friede sei mit Euch“) ein, rissen das Publikum mit. Überzeugend dargeboten wurde auch das auf dem für Buddhisten und Hindu gleichen Mantra basierende Tina Turner Stück „Sarveśām Svastir Bhavatu“. Da durfte Musik des fantastischen Jazzpianisten Sun Ra nicht fehlen. Die Band zelebrierte den spacigen Sound seines „Love in Outer Space“ authentisch. Eingeleitet von Maria Basel (Keyboard) und Bassist Hannes Vesper schufen Salome Amend und Karlo Wentzel an Percussion und Schlagzeug zusammen mit Frederick W. Hesse (Trompete und Flügelhorn) ein locker swingendes Jazzfeeling.

Vor allem durch die virtuos und unglaublich dynamisch gespielte Violine von Ulrike Nahmmacher geriet ein an die jüdische Musiktradition angelehntes dreiteiliges Stück zum Höhepunkt des Konzerts. Auf der Grundlage des von Béla Bartók wieder entdeckten mittelalterlichen Liedguts, das eine klagende Violine einleitete, ging das Stück über tänzerisch und marschmäßige Klezmerklänge in einen grandiosen balkanischen Gypsy Groove über.

Leon Thomas (Christ) und Pharoah Sanders (Musilim) huldigten mit ihrem Stück „The Creator has a Masterplan“ gemeinsam ihren Göttern. Die Instrumentalisten, allen voran Hesse an der Trompete, Maria Basel am Keyboard und Gitarrist Rolf Springer, der den Altsaxpart übernahm, fingen den Jazzsound der 60er Jahre sehr gut ein. Auch John Coltranes „A Love Supreme“ wurde in Kurzform auf den Punkt eingebaut. Als Beitrag für die Atheisten wählte Petersohn das 1948 von John Cage geschriebene Klavierstück „In a Landscape“, das Maria Basel hochkonzentriert, dezent unterstützt von Violine und Bass und mit leisen Besentönen von Salome Ahmend, vorstellte. Eine sehr schöne Verbindung von Schuberts „Ave Maria“ mit „Motherless Child“ von der Gospel-Queen Odetta beendete den musikalischen Reigen mit christlicher Musik.

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