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Musik aus Theresienstadt: Zwischen Trauer und Humor

Musik aus Theresienstadt: Zwischen Trauer und Humor

Das Landesjugendorchester NRW beeindruckte das Stadthallen-Publikum.

Wuppertal. Das ist schon sehr berührend: Wenn ganz junge Menschen Werke von Komponisten spielen, die in Theresienstadt, dem Durchgangs- und Vorzeigelager der Nazis, leben mussten, ehe sie in Auschwitz ermordet wurden. Das Landesjugendorchester mit Musikern im Alter von 14 bis 22Jahren gastierte auf Einladung der Bayer-Kulturabteilung im Großen Saal der Stadthalle.

Dirigent Gerd Albrecht, bekannt durch seinen unermüdlichen Einsatz für die so genannte "entartete Musik", führt das Orchester. Auch die Zuhörer nimmt er durch Schilderungen mit in die schlimme Zeit und brachte mit Ton-Beispielen die Musik von Gideon Klein, Hans Krása und Viktor Ullmann näher.

Kaum älter als die Orchestermusiker war Klein (1919-1944), als er 1941 in das Ghetto deportiert wurde. Seine "Partita für Streicher", das letzte Stück vor seinem Tod, ruht noch ganz in spätromantischer Tradition.

Dennoch sind Anklänge an Bartok oder Janacek in seiner Musik voller Schmerz und Traurigkeit mit düster schwingenden Kantilenen auszumachen. Aber auch kraftvoll kann sie klingen in den "Variationen über ein mährisches Volkslied" - und sensibel wiederholen sich die rhythmisch schwierigen Taktwechsel im weichen Pianissimo.

Mezzosopranistin Franziska Rabl singt die vier Orchesterlieder nach Texten von Christian Morgenstern in delikater Instrumentierung von Hans Krása. Nicht zimperlich, von feinem und düsterem Humor, sind Morgensterns Texte der "Galgenlieder", die die Sopranistin mit sanftem Timbre in schöner Fülle erstrahlen lässt - zusammen mit dem höchst sensibel reagierenden Orchester.

Viktor Ullmanns zweite Sinfonie in D-Dur zitiert Choralzeilen, lässt das B-A-C-H-Motiv und den Tristan-Akkord aufschimmern und verbindet tonale und atonale Klänge in markanter Tonsprache.

Nachspiel Das Konzert in der Stadthalle ("Musik in Theresienstadt") wurde mitgeschnitten und wird am 23. April um 20.05 Uhr auf WDR 3 gesendet.

Ensemble Nähere Infos zum Orchester gibt es im Netz unter

www.ljo-nrw.de