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„Musik auf dem Cronenberg“ präsentierte argentinische Liedkunst.

Konzert : Sangeskunst, die die Seele der Menschen nach außen spiegelt

„Musik auf dem Cronenberg“ präsentierte argentinische Liedkunst.

Nischen besetzen mit hochklassigen Künstlern und klassischer Musik, die nur selten zu hören ist. Das ist das Motto der „Musik auf dem Cronenberg“. Ausgegeben von Werner Dickel, der das Format 1999 aus der Taufe hob. Viele Jahre später ist die Reihe im Konzertkalender des Stadtteils fest verankert, ist die Wuppertaler Bratschistin Barbara Buntrock in seine Stapfen getreten. Am Sonntag lud sie zu „Argentina!“ ins akustisch wohlfeile Zentrum Emmaus. Lied- und Künstler-Auswahl trafen auf eine interessierte wie aufmerksame Zuhörerschaft.

Santiago Burgi ist vielseitiger Tenor und Rocksänger, Cecilia Pastawski, Mezzosopranistin, die über das argentinische Kunstlied forscht. Beide sind ausgezeichnete argentinische Künstler, die mit viel Feingefühl und Präzision ihre Stimmen einzusetzen wissen. Gemeinsam mit dem international bekannten Pianisten Yannick Rafalimanana und der Professorin für Viola an der Düsseldorfer Robert- Schumann-Hochschule, Barbara Buntrock, hatten sie vor einem Jahr ein Programm in Berlin zusammengestellt, das sich argentinischen Liedern von Komponisten des 20. Jahrhunderts widmet. Diese hatten anfänglich europäische Strömungen mit heimischer Folkloremusik kombiniert, sich später in Richtung Expressionismus entwickelt. Alberto Ginastera (1916 bis 1984) war der bekannteste Vertreter dieser Kunstmusik-Szene, er war auch Schwerpunkt des Programms in Cronenberg. Außerdem wurden Lieder von Angel Lasala (1914 - 2000), Carlos Guastavino (1912 - 2000), Floro Ugarte (1884 - 1975), Carlos López Buchardo (1881 - 1948), Andrés Gaos (1874 - 1959), Enrique Casella (1891 - 1948) und Manuel Gòmez Carrillo (1883 - 1968) aufgeführt.

Tief empfundene Gefühle gibt es auch in Brahms-Liedern

Die besten argentinischen Lieder habe man mitgebracht, romantische, vor allem aber traurige, die die Seele der Menschen nach außen spiegeln, versprach Burgi – und hielt Wort. Meist im Wechsel vertieften sich Sängerin und Sänger inbrünstig in Lieder über Trauer, Lachen, Sehnsucht, geraubte Küsse oder Reichtum. Gaben sich den Gefühlen hin, die sanft, schwermütig, aber auch temperamentvoll sein konnten, bewiesen bei den leisen Einsätzen großes Können, bei den lauten geschulte Stimmgewalt. Begleitet wurden sie von einem einfühlsam und genau spielenden Pianisten Rafalimanana, der sich zurücknahm und unterstützte. Barbara Buntrock konnte ihr Können erst beim beschwingten Finale präsentieren. Und zu Anfang, der zwei Liedern von Johannes Brahms gewidmet war, die zwar wenig mit argentinischer Folklore, aber viel mit tief empfundenen Gefühlen zu tun haben. Die Zuhörer spendeten bewegt Applaus.