Murray Perahia glänzt im Namen Mozarts

Murray Perahia glänzt im Namen Mozarts

Höchstes Niveau beim Klavier-Festival Ruhr: Das Publikum war begeistert.

Wuppertal. Die Welt scheint still zu stehen, wenn Murray Perahia Klavier spielt — festhalten möchte man diesen Augenblick. Neben der himmlischen Schönheit der Klänge wird dem Zuhörer plötzlich die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Moments schmerzlich bewusst. Was wäre, wenn Mozarts Kompositionen für immer verloren wären? Sie sind es nicht, doch es bedarf fähiger Interpreten, die sie würdigen — wie Murray Perahia und die Academy of St. Martin in the Fields, die am Dienstagabend im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr in der Stadthalle gastierten.

Das Kammerorchester begrüßt das Publikum unbeschwert mit der „Serenata notturna“, die — für die Gattung der Serenade ungewöhnlich — lediglich drei Sätze umfasst und durch ein Pauken-Paar und unterschiedliche Basslinien in Celli und Kontrabässen auffällt. Wie aus Tradition gewohnt spielt das 1958 in London gegründete Kammerorchester ohne Dirigenten und erweist sich als wunderbar aufeinander abgestimmtes Ensemble, während es die lauten und leisen Episoden ertönen lässt, die für Terrassendynamik typisch sind.

Beim Konzert für Klavier und Orchester Nr. 26 in D-Dur KV 537, dem sogenannten „Krönungskonzert“, dirigiert Murray Perahia und spielt mit solch einer Hingabe und überzeugenden Hochachtung der Komposition gegenüber, dass sich die Bewunderung der Gäste in beinahe ohrenbetäubendem Applaus entlädt. Eleganz und Souveränität zeichnen den Pianisten aus, zugleich erweckt er den Eindruck, dass er sich vor Mozarts Werk verneige. Bei seinen Soli zeigen sich auch Orchestermitglieder sichtlich beeindruckt und lassen sich träumend davontragen.

Seitdem Perahia den Leeds-Klavierwettbewerb 1972 gewonnen hat, ist er weltberühmt. Das Publikum staunt, wenn er seine Finger fließend über die Tastatur gleiten lässt — wohl wissend, dass er seine Karriere wegen einer Entzündung der Hand einige Male unterbrechen musste.

Die Zugabe, Franz Schuberts Impromptu Nr. 2 Es-Dur D 899, löst erneut begeisterten Beifall aus. Dann lässt die Academy of St. Martin in the Fields langsam und festlich die Sinfonie Nr. 39 in Es-Dur KV 543 erklingen. Im ersten Allegro heben sich die Bläser, die ihre bedeutende Rolle mit Bravour spielen, hervor. Mit einem raschen zweiten Allegro schließt die Sinfonie fast plötzlich ab. Es war musikalische Unterhaltung auf höchstem Niveau.

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