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Buch: „Mütterherzen“, die aus dem Takt gekommen sind

Buch : „Mütterherzen“, die aus dem Takt gekommen sind

Tanja Heinze erzählt in ihrem achten Buch das bewegende und wahre Schicksal einer Frau.

Die eine liest ein Buch, das ihr wie ein Zeichen Gottes erscheint und sie einen wichtigen Entschluss fassen lässt. „Das ist das, was ich brauche“, erinnert sich Roswitha Klein an ihre Gedanken, nachdem sie „Im Garten des Lebens“ von Tanja Heinze gelesen hatte. Anfang 2018 griff sie mit Herzklopfen zum Hörer und rief die Wuppertaler Schriftstellerin an, die damals tief in den Arbeiten für ihren aktuellen Krimi steckte. Anderthalb Stunden sprachen die beiden Frauen. Nach dem Telefonat wussten beide, dass die eine Frau über das bewegende Schicksal der anderen Frau schreiben würde. Nur der genaue Zeitpunkt stand noch nicht fest. Das gemeinsame Projekt berührte beide Frauen tief und veränderte sie. Im Juli 2019 kam „Mütterherzen“ auf den Markt.

Tanja Heinze ist eine zügige Autorin, 2005 kam ihr erstes Buch auf den Markt. Mittlerweile schreibt sie zwei Bücher im Jahr. Ihre Themen sind Krimis aber auch wahre Begebenheiten. Sie schreibe aus Liebe zum Leben, lächelt die 44-Jährige. Ihr achtes Buch wurde zugleich „die bewegendste Erfahrung“ ihres bisherigen Lebens. Was nicht nur positiv zu verstehen ist. Roswitha Kleins Geschichte nahm sie emotional so stark mit, dass sie Herzrhythmusstörungen bekam. Und es veränderte einzelne Einstellungen. Der Satz „,Komm gesund wieder’, wenn ich in ein Auto steige“ bekam eine andere Bedeutung, „weil Rita ihre halbe Familie bei einer Urlaubsfahrt verloren hat“.

Mit ihrer Lebensgeschichte anderen Menschen Mut machen

Roswitha Klein wurde 1950 als uneheliches Kind im Elisabethheim in Wuppertal zur Welt gebracht. Ihre Mutter lernte bald einen Mann kennen, heiratete ihn, wurde erneut schwanger. Der Mann zwang sie nach der Geburt der gemeinsamen Tochter ihre damals dreieinhalbjährige Tochter Roswitha in ein Kinderheim und zur Adoption freizugeben. Beginn eines Lebens, das weitere Schicksalsschläge bereithalten sollte. Das Roswitha dennoch lehrte, „dass von irgendwoher ein Licht kommt, wenn man in ein ganz tiefes Loch gefallen ist“, erzählt sie. Eine Erfahrung, mit der sie anderen Menschen Mut machen wollte, weshalb sie beschloss, ihr Leben niederzuschreiben. In Tanja Heinze fand sie die geeignete Autorin dafür.

Die Zusammenarbeit der beiden Frauen lief reibungslos, man kam einander sehr nahe. Zunächst hörte die Autorin nur zu, später machte sie sich Notizen, ab Januar dieses Jahres schrieb sie täglich von acht bis 16 Uhr, fragte Roswitha Klein präzise zu Einzelheiten, „damit das Buch bis ins Detail ihre wahre Geschichte wiedergibt“. Geändert wurde nur der Name (aus Roswitha Klein wurde Gitte Groß), und bei Begebenheiten, die Roswitha Klein nicht selbst erlebt hatte, war sie auf Schilderungen Dritter angewiesen. Außerdem bat sie Claus Wallbaum um drei Gedichte, die Roswithas Gefühle in Reime fassten. Heinze: „Ich war ihm bei einer Lesung begegnet und fand, dass seine Gedichte gut zur Geschichte passen.“

 „Mütterherzen“ ist ein versöhnliches Buch. Roswitha Klein konnte ihrer Mutter verzeihen, als sie sie später wiedersah und an ihrem Sterbebett saß. Konnte sie irgendwann auch „Mutti“ nennen, ein Privileg, das sie lange nur ihrer Adoptivmutter gewährte. Eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann auch dafür sorgte, dass Roswitha Klein einen starken Glauben an Gott entwickelte. Sie sei sogar dankbar, dass alles so gekommen sei, sagt Roswitha Klein heute, und dass ihre Mutter ihren Seelenfrieden gefunden habe, nachdem sie sehr gelitten habe.

Der Titel „Mütterherzen“ spiegelt wider, dass Roswitha Klein zwei Mütter hatte und selbst Mutter ist. „Es gibt einfach keinen anderen Titel. Er stand schon fest, bevor ich zu schreiben begonnen hatte“, ist Heinze überzeugt. Der Herausforderung, dieses Leben mit vielen Personen und zwei Stammbäumen nachvollziehbar und leserfreundlich auf knappen 244 Seiten unterzubringen, dabei die Gefühle des Lesers zu erreichen, meistert die Autorin mit einer schnörkellosen, bündigen wie treffsicheren Sprache. „Erste Reaktionen von Lesern zeigen, dass es geklappt hat“, sagt Heinze erfreut. Lesungen und vielleicht ein Auftritt in einer Talkshow werden folgen. Damit auch andere Mut schöpfen können.