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Move it: Sommertanz mit ernsten Tönen

Move it: Sommertanz mit ernsten Tönen

Das Tanzprojekt überzeugt in der ausverkauften Börse.

Wuppertal. Beharrlich versucht die junge Frau, die bösen Stimmen aus dem Raum zu verbannen. Doch kaum hat sie eine Stimme in eine der kleinen Kammern gezerrt und die Tür verschlossen, ertönt eine weitere: „Die erste Granate, die einschlug, traf in unser Herz.“ Hastig zerrt die Frau auch diese Stimme weg — da spricht die nächste von Maschinengewehren und Toten.

„Diese Szene handelt davon, dass man sich vor sich selbst und der Welt versteckt und versucht, Unangenehmes hinter Türen einzusperren. Dabei sollte man sich damit auseinandersetzen und bei sich selbst anfangen, wenn man die Welt etwas besser machen möchte“, sagt Fahima Sarwari (21) von der siebenköpfigen Theater- und Tanzgruppe „move it! - Don’t trust your eyes“.

Rund 60 Zuschauer waren zur Premiere in die Börse gekommen. Sie sahen ein spannendes Konzept aus Raum, Licht, Musik und ausdrucksstarke Tänzerinnen. Die ganze Börse wird mit ständigen Raumwechseln zum Teil der Aufführung.

Premierenbesucher Daniele Nese: „Das Stück ist sowohl technisch als auch vom Ausdruck der Tänzerinnen super umgesetzt. Es hat einen sehr engen Bezug zur aktuellen politischen Lage und setzt sich mutig mit dem Thema Krieg auseinander.“

„Ich bin begeistert“, lobt Rudolf Worscht und weist auf Details hin wie Zeitungsausschnitte zu Kriegshandlungen, die in den Treppenhausfluren hängen.

Die einfachen Kostüme mit grauen Leinenhosen und Hemden, sind perfekt auf die Handlung abgestimmt. In einem weiteren Raum rennen die jungen Frauen und der junge Mann gehetzt unter dem grellen Licht der Scheinwerfer umher, bleiben abrupt stehen, heben die Hände schützend vors Gesicht — suchen schließlich beieinander Zuflucht. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, als eine allein übrig bleibt.

„Das ist eine Abschiedsszene von Familie und Freunden“, erklärt Luise Riedel. „Wir hatten beim Entwickeln der Szenen immer Bilder und Geschichten im Kopf, mit denen wir in den letzten Wochen intensiv gearbeitet haben. Hier war es die Geschichte eines Jungen, dessen Familie von einer Bombe getötet wurde. Plötzlich war er auf sich allein gestellt.“

Das Thema Krieg haben die jungen Frauen selbst erarbeitet, erklärt Luise Riedel. „Wir haben lange darüber diskutiert und schließlich festgestellt, das uns dieses Thema einfach alle am meisten berührt. Daneben ist es auch herausfordernd, ein so ernstes Thema nur mit ein wenig Mimik und Gestik und ohne große Worte rüberzubringen.“

Die Tänzerinnen haben alle Szenen in enger Zusammenarbeit mit fünf verschiedenen Choreographen entwickelt. Ausschlaggebend waren stets eigene inhaltliche sowie tänzerische Ideen der jungen Talente. Auf die Besucherin Clara Noetzel hat es diese Wirkung: „Das Stück regt wirklich zum Nachdenken an.“