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Moderne Musik: Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung

Moderne Musik: Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung

Im Schauspielhaus wurde über die Zukunft der Wuppertaler Oper diskutiert.

Wuppertal. Hat die zeitgenössische Oper ein zu großes Abstraktionsniveau erreicht? Empfinden einige Zuschauer die neuen Stücke von Salvatore Sciarrino, Kurt Schwertsik und John Adams als Gipfelsturm und die meisten als Absturz? Und sind deshalb moderne Stücke nicht zuzumuten?

Beim "10. Wuppertaler Gespräch" sollte am Montagabend im Schauspielhaus-Foyer die Frage erörtert werden, wie viel zeitgenössische Musik der Wuppertaler Opernspielplan braucht. Neben Moderator Gerd Leo Kuck, Generalintendant der Bühnen, nahmen auf dem Podium Johannes Weigand, Opernintendant in spe, Norbert Abels, Chefdramaturg der Oper Frankfurt, Klaus-Peter Kehr, Operndirektor in Mannheim, und Andreas Meier (Bergische Uni) Platz.

Anhand der aktuellen Inszenierung von "Peter Grimes" - übrigens 1945, also vor mehr als 60Jahren von Benjamin Britten komponiert und als "neu" klassifiziert - sollte debattiert werden. "Ist zeitgenössisches Theater eine ästhetische Provokation?", fragte Meier in die Runde. "Wir sind nicht gegen Unterhaltung. Wir sind nur gegen doofe Unterhaltung", antwortete Kehr. Leider hätte sich das Publikum abgewöhnt, die Ohren aufzusperren, um Neues zu erleben.

"Viel erschreckender als Geschrei und Gezeter finde ich, wenn Leute sich nicht auseinandersetzen", befand auch Abels. Seine Erfahrungen in Frankfurt zeigten, dass bei Uraufführungen zeitgenössischer Kompositionen "Früchte trägt, das Publikum in Zusatzveranstaltungen mitzunehmen. Da muss man die Musik näher bringen und erklären, so weit Musik erklärbar ist." Überhaupt: Was wären innovative theatralische Formen, wenn es nicht die Lust am Neuen gäbe?

Auf die Anfänge von Pina Bauschs Tanztheater verwiesen Weigand und Kuck. Heute ist das Ensemble weltberühmt. In seinen Anfängen wurde die Formation ausgebuht. So kamen die fünf Männer auf dem Podium auf alte Zeiten zu sprechen. Auch damals sei nicht alles Gold gewesen. Jedoch war "in den 60er Jahren ein nicht ausverkauftes Haus kein Beinbruch. Jetzt werden jeden Monat Zahlen genauestens geprüft", so Kehr. Also muss der Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung geschafft werden.

Uraufführung Worauf sich das Opernpublikum in der kommenden Spielzeit freuen darf, wird erst bei der offiziellen Spielplanvorstellung am 17. April verraten. Eines ist aber klar (wie die WZ bereits berichtete): Es wird eine Uraufführung geben, Salvatore Sciarrino komponiert eine Oper eigens für Wuppertal.

Nächste Premiere In dieser Spielzeit gibt es nur noch eine Musiktheater-Premiere: "Der Vogelhändler" ist ab dem 9. Mai zu erleben - zunächst in Solingen. In Wuppertal soll die Operette von Carl Zeller ab dem kommenden Herbst zu sehen sein.