Konzertmeister: Mit Geige, Blicken und dem Körper sprechen

Konzertmeister : Mit Geige, Blicken und dem Körper sprechen

Yusuke Hayashi ist erster Konzertmeister des Sinfonieorchesters Wuppertal. Er leitet das zweite Uptown Classics Konzert.

Yusuke Hayashi hat sich bereits gut in Wuppertal eingelebt. Der Japaner bestreitet nun seine zweite Saison als erster Konzertmeister des Wuppertaler Sinfonieorchesters und übernimmt die musikalische Leitung beim zweiten Uptown Classics Konzert am 10. und 11. Januar in der Universität und in der Immanuelskirche. Der 34-jährige mehrfach ausgezeichnete Violinist freut sich darauf, auch wenn sich das Ensemble auf die ungewohnte Akustik in einem Hörsaal einstellen muss. „Aber das müssen wir können“, sagt Yusuke Hayashi bestimmt.

Erinnern Sie sich, wie Sie mit vier Jahren begonnen haben, Geige zu spielen?

Yusuke Hayashi: Mein Vater wollte sich einen Kindheitstraum erfüllen und nun gemeinsam mit seinem Sohn das Geigenspiel lernen. Aber es war zu spät für ihn. Mir aber hat es total Spaß gemacht, die Geige wurde zu meinem besten Freund - auch als es ernster wurde, ich viel üben musste.

Mit 13 Jahren haben Sie eine wertvolle Violine von Lorenzo Ventapane erhalten, die Sie heute noch spielen.

Hayashi: Mein Lehrer hatte viele Instrumente, bot sie uns zum Kauf an, weil er sich eine andere kaufen wollte. Man muss gut für diese Geige sein, aber auch sie muss gut sein. Es dauerte viele Jahre, bis ich von der Geige überzeugt war. Wir haben uns zusammen entwickelt.

Was bedeutet Ihnen Musik?

Hayashi: Sie ist Kommunikation.

Was bedeutete Ihnen das Geigenspiel?

Hayashi: Es ist für mich die natürliche Art, um zu kommunizieren, das geht mit der Geige besser.

Sie haben als Schüler Deutsch gelernt. Warum?

Hayashi: Ich besuchte mit 15 Jahren eine Music Highschool. Um die vielen deutschsprachigen Komponisten besser verstehen zu können, sind Deutschkenntnisse von Vorteil.

Wann haben Sie entscheiden, Berufsmusiker werden zu wollen?

Hayashi: Ich war 12/ 13 Jahre alt, als ich mit meinen Eltern nach Tokio umzug. Dort wurde ich von einem berühmten Lehrer unterrichtet. Und mit 15 Jahren wechselte ich bewusst auf eine Music Highschool.

Was macht ein Konzertmeister?

Hayashi: Er ist Vermittler zwischen Dirigent und Orchester. Richtet Noten ein und kümmert sich während des Konzerts ums Zusammenspiel, etwa, dass die Einsätze stimmen. Außerdem spielt er auch manchmal wichtige Solostellen in Sinfonien und Opern.

Wollen Sie nicht lieber selber Dirigent sein?

Hayshi: Nein, denn dann kann ich nicht Geige spielen. Als Konzertmeister kann ich dies und zugleich führen. Ich habe in vielen Streichquartetten dafür Erfahrungen gesammelt. Außerdem habe ich als Kind mal den japanischen Konzertmeister der Berliner Philharmoniker bei einem Orchesterkonzert im Fernsehen gesehen und fand das cool.

Warum sind Sie nach Wuppertal gekommen?

Hayashi: Weil dort die Stelle des ersten Konzertmeisters frei war und aus privaten Gründen.

Welche der Auszeichnungen, die Sie erhalten haben, ist Ihnen besonders wichtig?

Hayashi: Die beim Joseph Joachim Violinwettbewerb 2009 in Hannover.

Spielen Sie lieber in Kammer- oder in Orchesterbesetzung?

Hayashi: Ich liebe Kammermusik. Orchestermusik ist anders. Beides macht Spaß, am besten ist es, wenn ich beides machen kann.

Wie gefällt Ihnen das Uptown Classics-Format?

Hayashi: Die Idee ist super, verschiedene kleine Orte in der Stadt aufzusuchen, vielleicht auch neues Publikum kennenzulernen. Schön wäre, wenn diesmal mehr kämen als beim letzten Mal in der Universität.

Was werden Sie spielen?

Hayashi: Zwei Konzerte mit Flöten- und Streicher-Soli von Johann Sebastian Bach und seinem Sohn Cral Philipp Emanuel Bach und eine Sinfonie des heute weniger bekannten Komponisten Johann Baptist Vanhal, der aber über 70 Sinfonien geschrieben hat.

Was ist das Besondere des Konzerts?

Hayashi: Wir spielen erstmals mit Blechblasinstrumenten aus der Barockzeit, was eine schärfere Artikulation erlaubt, die gleichzeitig einen harmonischen Klang mit der kleineren Streicherbesetzung ermöglicht. Außerdem spielen wir ohne Dirigenten. Ich übernehme als Konzertmeister die Führung, ohne Taktstock. Ich führe über Körpersprache und Blickkontakt. Und wir spielen mit drei Solisten aus dem Wuppertaler Sinfonieorchester.

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