Mit frivolen Komödien in die alte Comödie

Mit frivolen Komödien in die alte Comödie

Cordula Polster, die neue Theaterchefin aus Stuttgart, will „weg vom angestaubten Boulevard“.

Wuppertal. An ein Theater erinnert im Moment nur wenig: flache Stufen, auf denen mal Stühle angeschraubt waren, und eine kahle Bühne. Von 2003 bis 2008 hatte Jochen Schroeder hier an der Friedrichstraße seine „Comödie“ betrieben, vor acht Jahren Insolvenz angemeldet. Seither stehen die Räume im ehemaligen Akzenta-Supermarkt leer.

Doch ab 8. Oktober sollen wieder Komödien auf die dann vergrößerte Bühne kommen. Den kühnen Schritt nach vorn wagt Cordula Polster, Schauspielerin („Ich habe auch schon unter Jochen Schroeder gespielt“) und seit acht Jahren Chefin des Theaterschiffs in Stuttgart. 160 Zuschauerplätze und ein Restaurant mit Sonnendeck hat sie auf dem ehemaligen Frachter Frauenlob eingerichtet.

Polster wollte expandieren, hat bundesweit nach passenden Immobilien gesucht („Hier war das Theater ja da“) und die örtliche Bühnenlandschaft sondiert. Aus Stuttgart („die höchste Theaterdichte pro Einwohner“) bringt sie ihre Programmkombination aus Komödien und Revuen mit: „Wir wollen weg vom angestaubten Boulevard. Unsere Komödien dürfen gern ein bisschen tra-shiger und frivoler sein, das spricht ein jüngeres Publikum an.“ Erfolgsstück auf dem Theaterschiff ist „Suche impotenten Mann fürs Leben“ nach dem Roman von Gabi Hauptmann. Das Stück kann sie jedes Jahr wieder auf den Spielplan setzen.

„Am Anfang schieben wir natürlich Produktionen von Stuttgart nach Wuppertal“, sagt Cordula Polster. Doch nach sechs Monaten sollen hier neue Produktionen auf die Bühne kommen. Nach einer Spielzeit von zwei Monaten sollen sie dann nach Stuttgart exportiert werden. Für ihre Gastschauspieler hat die Theaterchefin bereits Wohnungen in Elberfeld angemietet.

Eine wichtige Säule im Konzept ist die Gastronomie: „Wir wollen hochwertige und extravagante Speisen anbieten. Es wird auch eine reichhaltige Cocktailkarte geben.“ Gespräche mit Zulieferbetrieben liefen noch. Bereits zwei Stunden vor der Vorstellung will die Komödie öffnen, „damit die Besucher in Ruhe essen können“, ab April soll im Innenhof vor dem Theater auch eine Terrasse bewirtschaftet werden.

Über Zahlen will Polster nicht sprechen, weder über ihr Investitionsvolumen noch über die nötige Mindestauslastung. Da hilft nur der Vergleich: In Stuttgart erreiche sie — nach leicht holprigem Start — 30 000 Besucher im Jahr, sagt sie. Angesichts der geplanten Schlagzahl von 16 bis 20 Vorstellungen im Monat, 185 Plätzen und durchlaufendem Spielbetrieb ist das theoretisch auch in Wuppertal möglich, aber ziemlich ambitioniert.

Denn auf solche Zahlen kommt keines der gut eingeführten Theater — das TiC liegt beispielsweise konstant bei 25 000 Besuchern, Müllers Marionetten-Theater bei fast 29 000 und das Schauspiel in der ersten Spielzeit von Susanne Abbrederis bei 13 000.

Dass Jochen Schroeder in diesen Räumen Insolvenz anmelden musste, schreckt die neue Komödienchefin nicht, die einen Mietvertrag über zunächst fünf Jahre hat: „Nein, das passiert überall. Das ist immer eine Frage des Gesamtkonzepts.“ Natürlich müsse man ein Gespür dafür entwickeln, ob die Wuppertaler überhaupt Revuen mögen oder ob ihnen manches zu frivol ist. Deshalb will sie mit ihnen ins Gespräch kommen.