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Mit 110 Stimmen für Mozart

Mit 110 Stimmen für Mozart

Die Chorwoche an St. Laurentius vereinigt mehr als 110 Sänger zu einem Mozart-Konzert.

Wuppertal. Zum dritten Mal fand in der letzten Woche der Sommerferien die Chorwoche an St. Laurentius statt. Seit ihrem Start 2005 verzeichnet sie kontinuierlich gestiegene Teilnehmerzahlen: Kantor Roland Dopfer freute sich in diesem Jahr über 110 aktive Sänger, die hochmotiviert Mozarts Orgelsolomesse KV 259 in C-Dur einübten.

"Wegen der Vielzahl der Choristen mussten wir für die Proben in den Breuer-Saal ausweichen, wo die Luft im Hochsommer leider recht stickig wird. Dennoch haben alle durchgehalten, obwohl ich die Sänger wegen der Kürze der Zeit richtig rannehmen musste", berichtet Dopfer von den schwierigen Probe-Bedingungen.

Dass die Aufführung der Messe im liturgischen Kontext in der Kirche St. Josef mit dem Hochfest zu Ehren des Stadtpatrons zusammenfiel, war ein glücklicher Zufall. Der heilige Laurentius wurde wegen seines Glaubens am 10. August 258 in Rom auf einem Eisengitter über dem Feuer zu Tode gemartert. Daran erinnert der die Abbildung des Rostes im Wuppertaler Stadtwappen.

"Missa brevis" - Eine kurze Messe schrieb Mozart nach Auflagen von Papst Benedikt XIV., der sich gegen die opernhaften Auswüchse der Kirchenmusik in der Mitte des 18. Jahrhunderts wandte. Dennoch ist Mozarts Messe ein musikalisches Kleinod: Volkstümlich die Melodie des Kyrie, festlich und jubelnd das Gloria, pathetisch-breit das Sanctus, das ein beschwingtes Allegro-Hosanna kontrastiert.

Das schöne Benedictus mit lang gezogenen Kantilenen gestaltet das Solo-Quartett. Es enthält ein herrliches Cembalo-Solo (Lee Kaung-Ae) bevor das "Hosanna" mit Chorgewalt noch ganz in barocker Figurensprache jubelt. Das Agnus Dei mit schwingend-lebendigem "Miserere nobis" endet im "Dona nobis pacem" mit überraschenden Verschiebungen in der Betonung, von Solisten und Chor gemeinsam gesungen.

Neben den bestens disponierten Solo-Stimmen (Simone Unger, Sopran, Miriam Scholz, Alt, Marco Agostini, Tenor und Gregor Finke, Bass) überzeugt der Chor mit sicherer Stimmenbeherrschung. Dopfer legt Wert darauf, dass die vielschichtige Musik transparent bleibt, dass Forte und Piano das Klangbild beleben.

"Mozart hört sich immer so leicht an, aber man muss auf das Tempo achten, damit die Musik Esprit bekommt", sagt er. Sichere Partner sind die Instrumentalisten des Projektorchesters, die den Anweisungen korrekt folgen und in Vivaldis D-Dur Triosonate zur Kommunion ihr Können im homogenen Zusammenspiel unter Beweis stellen.

Dass die Chorwoche den Beteiligten viel Freude macht, drückt ein älterer Herr aus, der wegen seines Urlaubs diesmal nicht teilnehmen konnte: "Aber im nächsten Jahr bin ich wieder dabei!" Roland Dopfer freut sich vor allem darüber, dass Schnuppersänger und erfahrene Choristen auch aus anderen Chören, also Katholiken und Protestanten, die Chorwoche gemeinsam besuchen.