Michael Okroys Liebeserklärung an das Opernhaus

Michael Okroys Liebeserklärung an das Opernhaus

Michael Okroy hat die wichtigsten Fakten zur Theatergeschichte zusammengestellt.

Wuppertal. Normalerweise sind es Politiker, die im Zweifelsfall etwas von sich weisen (müssen). Nun ist Michael Okroy zwar kein gewählter Volksvertreter, aber dennoch in der (durchaus glücklichen) Lage, etwas dementieren zu müssen.

So macht Okroy — gewohnt höflich — darauf aufmerksam, dass er kein Historiker, sondern Literatur- und Sozialwissenschaftler ist. Ein Dementi, das seine Persönlichkeit und zugleich sein Ansehen spiegelt. Denn sein Ruf ist bezeichnend: Oft werde er als Historiker bezeichnet, erklärt Okroy. Was im Grunde genommen ein großes Kompliment ist — denn der versierte Autor hat mit Blick auf Wuppertals Geschichte bereits mehrfach so fundierte Publikationen vorgelegt, dass die Vermutung, er sei Historiker, durchaus naheliegend ist.

Auch in diesem Fall hat er eine Arbeit abgeliefert, die sich sehen lassen kann. Handlich, informativ und absolut lesenswert ist die neue Opernhaus-Broschüre, die Michael Okroy zusammen mit Bühnen-Geschäftsführer Enno Schaarwächter vorstellte — passenderweise an dem Ort, um den es geht. Dabei ist das farbige Bändchen mehr als „nur“ eine Chronik des Wuppertaler Opernhauses. In ihr steckt Okroys geballtes Wissen über Wuppertals glanzvolle Opernzeiten — über Zeiten also, in denen Max Ophüls, Günter Wand, Gert Fröbe, Arno Wüstenhöfer, Kurt Horres, Hanns-Martin Schneidt und Friedrich Meyer-Oertel Theatergeschichte geschrieben haben. Natürlich darf auch Pina Bausch nicht fehlen — findet sich in Barmen doch die Wiege des Wuppertaler Tanztheaters.

Der Streifzug durch 100 Jahre Kultur- und Zeitgeschichte lenkt den Blick auf ruhmreiche Feierstunden wie die „Tannhäuer“-Inszenierung von 1905, verschweigt andererseits aber auch nicht, dass das Theatergebäude 1933 erstmals für politische Kundgebungen genutzt wurde — „bei der als Propaganda-Akt inszenierten Einführung der neuen (und mehrheitlich braunen) Stadtverordneten“, wie zu lesen ist.

Die Broschüre, schlicht „Das Opernhaus Wuppertal“ genannt, ist ein Extrakt des Okroy-Buchs „ . . .damit die Träume atmen können“, das 2009 erschienen ist und erstmals in geballter Form die Geschichte „Vom Stadttheater Barmen zum Opernhaus Wuppertal“ erzählte. Nun folgt der zweite Streich: eine kleine Broschüre, bei der das Durchblättern großes Vergnügen bereitet.

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