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Michael Okroy spricht über eine große Dichterin und ihr Desaster

Michael Okroy spricht über eine große Dichterin und ihr Desaster

Wuppertal. Vor genau hundert Jahren, am 22. Oktober 1912, kam Else Lasker-Schüler aus Berlin nach Elberfeld, um in der Stadthalle aus ihren Werken zu lesen. Es war die einzige öffentliche Lesung der jüdischen Dichterin in ihrer Heimatstadt.

Die Begegnungsstätte Alte Synagoge erinnert an diese spektakuläre Lesung mit einem Rezitationsabend. Schauspieler Andreas Ramstein (Wuppertaler Bühnen) stellt am kommenden Montag einige der damals vorgetragenen literarischen Texte und den „Beschwerdebrief“ der Dichterin vor. Die Moderation übernimmt Michael Okroy.

Herr Okroy, was schätzen Sie an Else Lasker-Schüler?

Michael Okroy: Den poetischen Erfindungsreichtum ihrer Sprache, die radikale Unbedingtheit im Einsatz für eine freie künstlerische Existenz und die Hingabe, mit der sie sich um ihren kranken Sohn Paul gekümmert hat.

Vor genau hundert Jahren hat Else Lasker-Schüler ihre einzige öffentliche Lesung in Elberfeld gehalten. Was weiß man heute darüber?

Okroy: Die Lesung im damaligen „Kaisersaal“ der Stadthalle (heute Mendelssohn Saal) war ein Desaster und hat das Publikum gespalten. Es reagierte irritiert, mit Widerwillen, aber auch fasziniert auf ihre Dichtung und ihre eigenwillige Performance. Else Lasker-Schüler selbst zeigte sich tief enttäuscht und zugleich verärgert über den von der „Literarischen Gesellschaft“ organisierten Leseabend in ihrer geliebten Heimatstadt.

Sie bereiten eine Jubiläumsveranstaltung vor. Was erwartet das Publikum?

Okroy: Das Publikum kann sich auf einige der in Elberfeld von Else Lasker-Schüler vorgetragenen literarischen Texte und auf ihren öffentlichen Beschwerdebrief freuen, ganz besonders aber auf die in der zeitgenössischen Presse erschienenen Berichte über diesen aufregenden Leseabend. Sie geben ein sehr genaues, anschauliches und auch hoch unterhaltsames Bild vom denkwürdigen Auftritt Else Lasker-Schülers im Wuppertal vor hundert Jahren.

“ Die Veranstaltung beginnt am Montag, 22. Oktober, um 19.30 Uhr in der Begegnungsstätte Alte Synagoge an der Genügsamkeitstraße. Karten gibt es an der Abendkasse.