Mein Lieblings-Sisley (8): Ein Endspurt mit frostiger Stimmung

Mein Lieblings-Sisley (8): Ein Endspurt mit frostiger Stimmung

Am Sonntag endet die Ausstellung. Zum Finale erläutert Barmenia-Chef Josef Beutelmann sein Lieblingsbild.

Wuppertal. Lutz-Werner Hesse ist in „seiner“ Musikhochschule selbst so etwas wie ein Brückenbauer. 200 Studierende betreuen er und seine Dozentenkollegen an der Sedanstraße — die Schützlinge kommen aus Frankreich, Italien, Korea, Russland, dem Iran, Japan, China, Nicaragua oder Chile. Da wundert es nicht, dass der Direktor das passende Motiv ausgewählt hat: Hesse ist fasziniert von der Brücke, die Alfred Sisley 1872 auf Leinwand bannte („Bridge at Villeneuve-la-Garenne“).

Die WZ-Serie zur Sisley-Ausstellung im Von der Heydt-Museum hat aber noch mehr ans Tageslicht gebracht: Was Wuppertaler Prominente in den vergangenen Wochen in der WZ verraten haben, lässt tief blicken. Fakt ist: Oberbürgermeister Peter Jung kann sich an einer Kastanienallee kaum satt sehen. Kämmerer Johannes Slawig hingegen vertraut auf den Felsen in der Brandung. Stadtsparkassen-Chef Peter Vaupel wiederum hat ein ganz anderes Lieblingsmotiv: die „Machine de Marly“, ein Wasserwerk, das im 17. Jahrhundert die Schlösser von Versailles und Marly mit Seine-Wasser versorgte.

Heute erhält die Frage „Welcher Sisley ist der Schönste?“ eine letzte Antwort: Mit der Sisley-Ausstellung, die am 29. Januar zum letzten Mal besichtigt werden kann, endet auch die WZ-Serie zur großen Sonder-Schau — nicht ohne einen finalen Höhepunkt. Denn Barmenia-Chef Josef Beutelmann hat am Turmhof einen besonderen Blickfang entdeckt: das Gemälde „Effet de neige à Louveciennes“ (1876). „Ich liebe dieses Bild, weil man darin Kälte und Frost förmlich spürt“, sagt Beutelmann. „Der Maler schaut von seinem sicherlich behaglich warmen Fensterplatz hinaus in den Garten, wo sich weich und schwer der Schnee auf Felder, Bäume und Gemäuer gelegt hat.“

Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie wenig einladend, wie der Vorstandsvorsitzende zugibt. „Aber es ist eine besondere Stimmung, die Sisley festhält“, erklärt Beutelmann. „Gedämpft scheint alles zu sein — das Licht, die Bewegungen, die Geräusche. Der Himmel ist grau verhangen, und man spürt förmlich, dass es der Moment ist, bevor die nächsten Schneeflocken fallen.“

Wer den winterlichen Zauber selbst erleben möchte, hat dazu noch bis zum kommenden Sonntag Gelegenheit. Die Sisley-Ausstellung ist noch einmal am 27. Januar von 11 bis 20 Uhr sowie am 28. und 29. Januar von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Verlängerung ist nicht möglich, da die Bilder danach zu den Leihgebern zurückgehen müssen. Fast 90.000 Besucher haben die Ausstellung am Turmhof nach Museums-Angaben bisher gesehen.

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