Mein Lieblings-Sisley (7): Peter Jung genießt die Sonntagsstimmung

Mein Lieblings-Sisley (7): Peter Jung genießt die Sonntagsstimmung

In der Serie „Mein Lieblingsbild von Sisley“ geht die WZ mit Wuppertalern ins Von der Heydt-Museum. Dieses Mal (7. Teil) mit dem Oberbürgermeister.

Wuppertal. Der Oberbürgermeister ist ein passionierter Wanderer — da dürfte es nicht wundern, dass er auch ein Faible für Alleen hat, noch dazu, wenn sie Alfred Sisley wahrhaft malerisch in Szene setzt. „L’Allée des Marronniers“ heißt das Werk, das Peter Jung besonders gut gefällt. Die Leihgabe aus dem Metropolitan Museum ist ein Höhepunkt der Sisley-Ausstellung — nicht nur, weil sie einen weiten Weg hinter sich hat.

Bis zum 29. Januar ist das Gemälde, das eigentlich in New York zu Hause ist, in Elberfeld zu finden. Die Kastanienallee ist ein Thema, wie es typisch ist für den Impressionismus: Ein friedlicher Spaziergang im Sonnenlicht gilt als der Inbegriff von Sonntagsstimmung. Der Weg führt im sanften Bogen in die Tiefe des Bildes, der Betrachter schaut aus distanzierter Position den Flaneuren hinterher.

Jung sieht es so: „Das Gemälde, das 1878 auf dem Höhepunkt des Impressionismus entstanden ist, ist deshalb mein Lieblingsbild, weil darin die Klarheit der Stimmung mit einer raffinierten Komposition und der Illusion purer Sonntäglichkeit verschmelzen.“

Ein fast altmeisterliches, atmosphärisches Graublau bewirkt die faszinierende Tiefe des Bildes. Eine Brücke am Horizont, nicht zuletzt ein Waldstück in der Ferne trennen Wasser und Himmel. Die Partie des Himmels zeigt ein lebendiges Wolkenspiel. Erstaunlich ist, wie kleinteilig sich die Komposition aus einer Vielzahl von einzeln herausgearbeiteten Partien zusammensetzt — den passenden Bogen spannt die Uferpromenade.

Erscheint der Hintergrund also fast wie eine Miniaturmalerei, so findet im Vordergrund — sozusagen direkt vor den Augen des Betrachters — ein schillerndes Farbenspiel statt: Rosa in allen Tonstufen ist der Weg. Das Wiesenstück, ebenso fein gestrichelt, ist in Blau, Grün und Gelb gemalt — in Farben, die sich in den getupften Baumkronen wiederholen. Wer würde da nicht gerne die Wanderschuhe schnüren oder den Spazierstock zücken? thö

“ Die Sisley-Ausstellung ist bis zum 29. Januar im Von der Heydt-Museum am Turmhof zu sehen. Nähere Infos gibt es unter www.sisley-ausstellungde

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