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Max Raabe und sein rollendes „R“

Max Raabe und sein rollendes „R“

30er-Jahre-Flair und stehende Ovationen in der Stadthalle.

Wuppertal. Nostalgie in Perfektion — die Golden 20er und die 30er Jahre hielten am Dienstag Abend Einzug in die Wuppertaler Stadthalle — verantwortlich hierfür waren Max Raabeund sein Palastorchester mit ihrem neuen Programm „Küssen kann man nicht alleine“.

In einem zweistündigen feinfühlig arrangierten und mit humoresken Einlagen gespickten Vortrag verzauberten die zwölf Musiker die Zuschauer in der voll besetzten Stadthalle. Auch Kerstin Berger aus Cronenberg war im selbst geschneiderten 30er-Jahre-Outfit und mit Feder im Haar erschienen — und war hin und weg: „Es ist einfach wunderbar und absolut stilvoll vorgetragen.“

Christel Lambeck aus Elberfeld genoss ihr Geburtstagsgeschenk sichtlich: „Sonst sehe ich Max Raabe nur im Fernsehen — seine Mimik ist toll.“ Gewohnt zurückhaltend, charmant und humorvoll zeigte sich denn auch der Entertainer mit der markanten Stimme, der gemeinsam mit Produzentin und Texterin Annette Humpe (Ich + Ich) sein neues Album eingespielt hat und in seinen Liedern eine bunte Themenvielfalt und natürlich die große Liebe besingt.

Bei den Liedankündigungen spart Raabe nicht mit Süffisanz und Ironie und gönnt auch seinen exzellenten Musikern genügend Freiraum zur Entfaltung. „In meiner Badewanne bin ich Kapitän“, bei dem eine kleine mit Wasser gefüllte Badewanne von zwei Trompeten bespielt wird, reißt das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Ob bei Rumba, Paso Doble, Walzer oder Serenade, „dem Ständchen vor dem Fenster der Geliebten, das den libidonösen Beutezug des Mannes zu begleiten sucht“, Raabe kennt keine Sprachbarrieren und rollt das „R“ in Französisch und Spanisch genauso wie in Englisch und Deutsch.

Stehen in der ersten Stunde aktuelle Stücke wie der Titelsong „Küssen kann man nicht alleine“, „Krise“ (wie wär´s mit einer kleinen Depression) oder „Undercover 009“ im Vordergrund, so gehört der zweite Teil der Performance den Klassikern, die das Publikum bejubelt: Lieder wie „Ich wollt´ ich wär´ ein Huhn“, „Irgendwo auf der Welt“, „Mein Gorilla hat ´ne Villa“ und das als Zugabe präsentierte „Mein kleiner grüner Kaktus“ unterstreichen noch einmal die Spielfreude und künstlerische Extraklasse des Orchesters, das sich nicht nur bei den Solovorträgen und beim 1936 entstandenen „Over my shoulder“ einen Riesenapplaus verdienen.

Die stehenden Ovationen des Wuppertaler Publikums nach der dritten Zugabe huldigten einem Künstler und seinem Orchester, der es für zwei Stunden in eine längst vergessene Zeit entführen dürfte.