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Maurice Kaeber: Der Frauenschwarm wäre lieber ein Fiesling

Maurice Kaeber: Der Frauenschwarm wäre lieber ein Fiesling

Der 30-Jährige wird Fernsehheld – allerdings nicht vor der Kamera, sondern auf der Bühne. Die Komödie „Herbstzeitlose“ feiert am 12. September Premiere im Forum.

Wuppertal. Wer Taltontheater sagt, denkt rasch an Maurice Kaeber. Er gab den unterdrückten Errol in "Männerhort", spielte Charles Condomine in der "Geisterkomödie", war "Er", also Nigel, in der "Offenen Zweierbeziehung" - und verkörperte viele andere Männer dieser eher positiven Art.

Maurice Kaeber ließ sich zum Erzieher ausbilden und arbeitet in der Kundenberatung, hat seinen Traum aber nie aus den Augen verloren.

Seine Traumrolle allerdings wäre es, ein Charakterschwein darzustellen. "Ich würde wirklich gerne mal einen richtigen Fiesling spielen, einen mit zerrissener Seele, ein Wrack", erklärt der so sanft wirkende Kaeber. Nach seiner Meinung steckt in jedem "etwas Zwiespältiges, abgrundtief Böses". Und das auf die Bühne zu bringen, "wäre eine tolle Herausforderung".

Die Bühnenbretter bedeuten dem 1977 in Wülfrath Geborenen tatsächlich alles: "Ich wollte immer Schauspieler werden." 1993 gab er sein Debüt in der Formation Minestrone beim "Diener zweier Herren". "Da habe ich Blut geleckt."

Eigentlich hätte er sich der Autodidakt gerne an einer Schauspielschule beworben, aber letztlich kam immer etwas dazwischen: seine Ausbildung zum Erzieher ("das war aber nichts für mich"), die Zeit als Zivildienstleistender - und nun ist Maurice Kaeber "sehr, sehr glücklich" als Ensemblemitglied des Wuppertaler Taltontheaters.

Ein Leben jenseits der Bühne gönnt sich der 30-Jährige kaum. Sein tägliches Brot verdient er bei einem ortsansässigen Unternehmen in der Kundenberatung. "Das lässt mir ausreichend Zeit, mich ums Theater zu kümmern", ist er gleich wieder bei seinem Lieblingsthema. Freizeit ist für ihn Mangelware, und selbst Freude müssen immer ein bisschen hinten anstehen. "Das würde ich gerne mal wieder ändern."

Der letzte Kinofilm, den er sah, ist "Das Parfum". Das letzte Buch, das er las, heißt "Herbstzeitlose" - das Theaterstück will das Wuppertaler Ensemble zum Jahresende realisieren. Nachdem er zuletzt mit der "Geisterkomödie" und "Männerhort" quasi ununterbrochen auf der Bühne gestanden ist, gönnte er sich eine kleine Pause bis zum Probenbeginn der "Herbstzeitlosen"-Inszenierung.

Kaeber ist voll in seinem Element, wenn es um die neue Rolle geht. Er wird nämlich einen Telenovela-Star spielen, der von zwei geistig etwas sehr verschrobenen Frauen entführt wird. Vor dem Probenbeginn sind zunächst Dreharbeiten angesagt, schließlich soll der Fernsehheld auch in seiner Telenovela-Rolle zu sehen sein. "Absolutes Neuland" werden diese Filmarbeiten für Kaeber sein, auf die er sich schon jetzt "riesig freut".

Bis es wieder am Theater losgeht, will er dann doch "Leute treffen, abtanzen gehen und das Leben genießen", erklärt er. Und endlich die letzten Umzugskartons verräumen.

Seit 2005 lebt er in der Nordstadt, neben dem Luisenviertel seinem Lieblingsquartier in Wuppertal. "Aber obwohl ich da jetzt schon anderthalb Jahre wohne, sind noch immer nicht alle Kartons ausgepackt." Kein Wunder, wenn die Theaterleidenschaft die meiste Zeit beansprucht . . .