Martfeld Quartett nimmt CD auf

Martfeld Quartett nimmt CD auf

Auf dem Tonträger sind Stücke von zwei bisher eher unbekannten Komponisten aus Tschechien und Rumänien zu hören.

Wuppertal. Auf den Monat genau seit 36 Jahren existiert das Martfeld Quartett. Im April 1980 von Andreas Weber — ehemaliger Cellist des Sinfonieorchesters Wuppertal — gegründet, hat es in dieser Zeit hauptsächlich altersbedingt einige Personalwechsel gegeben.

Heute sind es die Geiger Liviu Neagu-Gruber und Axel Hess vom Sinfonieorchester Wuppertal sowie Antje Kaufmann (Bratsche) und Katharina Apel (Cello) vom Gürzenich-Orchester Köln, die die klassische Königsdisziplin des Streichquartetts pflegen. Nun hat das Ensemble — benannt nach dem Rittergut Haus Martfeld in Schwelm — nach sehr langer Zeit wieder eine CD veröffentlicht. „Wann die letzte erschienen ist, weiß ich nicht“, berichtet Primgeiger Neagu-Gruber. „Etwa 30 Jahre ist das wohl her.“

Also wurde es wieder Zeit. Man mietete für zwei Aufnahmesitzungen im Sommer und Herbst vergangenen Jahres die Immanuelskirche und nahm zwei Werke von in Deutschland eher noch unbekannten Komponisten auf. Der eine ist der Tscheche Zdenek Fibich (1850-1900). Man wandte sich seinerzeit von ihm ab, weil er sich nicht so sehr wie seine Zeitgenossen Bedrich Smetana und Antonín Dvórak dem nationalen Gedankengut widmete. Deshalb geriet er in Vergessenheit.

Bei seinem vom Martfeld Quartett auf dem Silberling verewigten zweiten Streichquartett in G-Dur op. 8 sind dennoch musikalische Elemente seiner Heimat klar heraushörbar.

Der andere Komponist stammt aus Neagu-Grubers Geburtsland Rumänien: Radu Paladi (1927-2013). „Ihn habe ich während meines Musikstudiums in Bukarest kennenlernen dürfen“, erzählt der erste Geiger des Quartetts und ist voll des Lobs über ihn. Stehen seine Werke in Südosteuropa öfter auf Programmheften, so ist sein dortiger hoher Bekanntheitsgrad noch nicht nach Westen vorgedrungen. Dem wollen die vier Musiker mit seinem ersten Streichquartett in C-Moll aus dem Jahr 1956 auf der CD Abhilfe schaffen.

Das Stück hat mit avantgardistischen Kompositionstechniken nichts zu tun. Vielmehr lebt es von vielen frischen folkloristischen, rhythmischen und schönen melodischen Elementen. Die Aufnahme dieser beiden Streichquartette lebt von einem beseelten und vitalen Spiel der vier Vollblutmusiker. Hinzu kommt eine exzellente, durchsichtige Aufnahmequalität, die auch die hervorragende Akustik des Saals der Oberbarmer Kulturstätte zum tragen kommen lässt.

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