Wuppertaler Skulpturenpark: Markus Lüpertz im Skulpturenpark: Von der Sehnsucht nach Vollendung

Wuppertaler Skulpturenpark: Markus Lüpertz im Skulpturenpark: Von der Sehnsucht nach Vollendung

Markus Lüpertz über seine Werke im Wuppertaler Skulpturenpark, sein Genie — und seine Rolle als Bad Boy der Kunstszene.

Wuppertal. Sie kennen sich seit vielen Jahren, haben zusammengearbeitet, sind gut befreundet und beide Künstler von internationalem Rang. Vor ein paar Jahren hat Markus Lüpertz immerhin schon mal eine imposante Figur, die mehr als vier Meter hohe „Paris sans bras“, im Wuppertaler Skulpturenpark von Tony Cragg aufgestellt. Auch hat der Malerfürst schon öfter den wunderschönen Waldfrieden-Park besucht. Eine Ausstellung gab es aber bislang nicht. Das wird nun nachgeholt — am Freitag um 17 Uhr ist die Eröffnung.

Warum erst jetzt die Ausstellung im Skulpturenpark?

Lüpertz: Es war immer klar, dass ich hier ausstelle. Der Skulpturenpark ist einmalig, die Ausstellungsräume ideal. Wir haben ja Zeit. Ich sehe mit großem Vergnügen, was Tony hier ausstellt. Hier hat sich ein gewisses Niveau entwickelt. Und um dem zu entsprechen, konnten gar nicht genug Ausstellungen vorher sein.

Sie bezeichnen sich als Malerskulpteur. Was bedeutet das?

Lüpertz: Das ist vielleicht das Einzige, was Tony Cragg und mich unterscheidet. Das heißt, ich komme von der Malerei, male Horizonte und fing eines Tages an, diese Horizonte mit Figuren und Gnomen, Gespenstern und Geistern zu besetzen. Die Malerskulptur ist eine der interessantesten und wenig beachteten Phänomene. Maler haben eine ganz andere Sicht. Sie gehen immer von der Fläche aus. Wie bei einem Diamanten, den man schleifen kann — egal, wie viele Facetten man ihm gibt, es bleiben Flächen. Und so sollte man meine Skulpturen auch sehen, die immer Überraschungen, eine organische Logik haben. Das ist ganz spannend und aufregend. Deshalb stelle ich mich gerne in Konkurrenz zur Skulptur. Ich fühle mich hier recht wohl, weil hier neben Tonys auch andere hervorragende Skulpturen stehen.

Sie sagen selbst von sich, dass Sie ein Genie sind. Was meinen Sie damit?

Lüpertz: Es ist ein tiefer Glaube, den ich an mich habe. Ich glaube, dass jeder Künstler so denkt. Es ist natürlich Blödsinn, wenn einer sagt: ,Ich bin ein Genie.’ Wenn ich so was sage, dann meine ich den Anspruch an mich selbst. Ich habe nur diese eine Zeit, in der ich arbeiten kann. Ich muss das Höchste anstreben. Ob ich es schaffe oder nicht, wird hundert Jahre später entschieden. Der Anspruch, den ich an mich habe, nimmt keine Rücksicht, sondern ist in der Kunst zu suchen. Auf diesen Anspruch habe ich mich eingelassen. Es geht um die Einstellung zur Sehnsucht nach Vollendung. Wenn man nicht die Voraussetzung hat, genial zu sein, dann braucht man erst gar nicht anzufangen. Wenn Tony kein Genie wäre, hätte er das hier nie geschafft. Er ist nur höflicher Engländer und sagt das nicht. Ich formuliere halt eher provokant, aber das sei mir als Künstler, als Bohème verziehen.

Sie sind ein vielseitig begabter Künstler, der nicht nur in der bildenden Kunst zu Hause ist.

Lüpertz: Ich sage heute nicht mehr, dass ich Künstler bin, sondern Maler. Malerei ist die Königsdisziplin der bildenden Kunst. Es gibt nichts Schwierigeres als Bilder. Was heute alles Kunst ist: Wenn Sie zwei Lastwagen aneinanderketten und hochstellen, ist das Kunst. Das ist großartig, aber es ist keine Malerei, keine Bildhauerei.

Wo ordnen Sie sich in der zeitgenössischen Künstlerprominenz ein?

Lüpertz: International kennen die Leute immer nur Kiefer, Richter, Baselitz und Polke. Ich gehöre dazu, nur dass ich immer der Bad Boy bin. Ich habe ich mich immer geweigert, einen Stil zu entwickeln. Ich habe eine Handschrift, bin dadurch unverkennbar. Ich bin ein abstrakter Bildhauer, lasse mich nicht an einem Stil festmachen. Ich glaube ans Bild, fange als Dilettant an und hoffe als Meister zu enden. Und das hat jedes Werk verdient, dass das passiert. Wenn nicht, sind es nur Produkte.

Wie lange arbeiten Sie?

Lüpertz: Ich arbeite immer, habe kein Familienleben, stehe auch in den Ferien tagsüber im Atelier. Das ist der Fluch meines Getriebenseins. Das verlangt Disziplin. Den 18 Meter hohen Herkules modelliere ich selber. Die Leute reichen mir den Gips, aber ich mache es selbst. Ich muss alles selber machen. Ich ertrage es nicht, wenn ein anderer an meinen Arbeiten etwas macht. Ich male an zehn, zwölf Bildern gleichzeitig, fertige ähnlich viele Skulpturen gleichzeitig.

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