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Markus Hertel ist neuer Betriebsdirektor der Wuppertaler Bühnen

Künstlerischer Betriebsdirektor : Über die Freude, wieder in der Nähe der Heimat zu sein

Markus Hertel ist nach vielen Jahren zurück in der Region. Kehrt zu Schulfreunden und zur Ursprungsfamilie zurück. Der gebürtige Essener ist seit der neuen Spielzeit künstlerischer Betriebsdirektor der Wuppertaler Bühnen.

Der Kreis schließt sich. Markus Hertel ist nach vielen Jahren zurück in der Region. Kehrt zu Schulfreunden und zur Ursprungsfamilie zurück. Der gebürtige Essener ist seit der neuen Spielzeit künstlerischer Betriebsdirektor der Wuppertaler Bühnen. Haus und Stadt schätzt der 56-Jährige seit der Schulzeit, er freut sich, wieder in Wuppertal zu sein, „in einem angenehmen Haus, mit angenehmer Arbeit in einer überraschend angenehmen Stadt“. Allein die Coronakrise erschwert den Start. Greift sie doch täglich in die Arbeit ein.

 „Das Theater ist kein Beruf, sondern eine Berufung - wer einmal vom Theatervirus befallen wird, kommt nicht mehr davon los“, ist sich Hertel sicher. Und so ergab er sich schon früh seinem Schicksal – und seiner Mutter. Diese habe versucht, das Schreien des Sohnes auf dem Hof zu kanalisieren. Was dazu führte, dass er bei den Essener Domsingknaben landete und ein musikalisches Gymnasium besuchte, das mit der Musikhochschule Folkwang kooperierte.

Dort lernte er als Jungstudent Posaune. Weil den Schüler Markus außerdem Theatervorstellungen derart interessierten, dass er dem Lehrer „gerne reinquatschte“, kamen auch praktische Erfahrungen mit Inszenierungen hinzu, zu denen dieser ihn aufforderte. „Was zusammen mit dem Singen und dem Posaunenspiel einen Kuchen ergibt“, fasst Hertel zusammen.

Duales Studium
am Staatstheater

Nach Abitur und Zivildienst studierte er von 1987 bis 1991 an der Musikhochschule August Everding in München Musiktheaterregie. Ein duales Studium, das ihn als Werkstudent ans Staatstheater am Gärtnerplatz brachte, wo er in sämtliche Bereiche – von der Schneiderei bis zur Maske und zum Ton – Einblick erhielt. Und auch Intendant Hellmuth Matiasek kennenlernte, der zuvor in gleicher Funktion an den Wuppertaler Bühnen gewirkt hatte. Mit dem Diplom in der Tasche arbeitete Hertel zunächst acht Jahre am Theater in Bern (1991 bis 1999), stieg dort vom Regieassistenten und Spielleiter zum Hausregisseur und Direktionsassistenten auf.

Weitere Stationen waren Freiburg, wo er das künstlerische Betriebsbüro des Theaters leitete und an der Hochschule für Musik lehrte (1999 bis 2001), die Theaterakademie August Everding in München (2001 bis 2006), wo er als Studiengangsleiter arbeitete, das Stadttheater Gießen, wo er künstlerischer Betriebs- und Operndirektor war (2006 bis 2010), sowie zuletzt der Flensburger Sitz des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, wo er zehn Jahre lang Operndirektor und stellvertretender Intendant war (2010 bis 2020).

Nun also Wuppertal, das sein Vorgänger Guido Hackhausen gen Braunschweig verließ. Hackhausen, den er noch vom Tic-Theater und aus einigen seiner insgesamt 60 Inszenierungen kennt. Wuppertal, wo er mit der Schulklasse wunderbare Pina Bausch-Aufführungen und Ring-Inszenierungen erlebte. Eine Stadt, die sich extrem verbessert habe, nicht mehr die dreckige Industriestadt seiner Erinnerung sei, betont Hertel.

Die Schutzmaßnahmen
rauben Zeit

Die Sommerferien verbrachte er hier, machte sich wieder vertraut, richtete sich in seinem neuen Zuhause in Elberfeld ein. Freut sich nun darauf, sich als künstlerischer Betriebsdirektor darum zu kümmern, „wer was, wann, wo macht“. Heißt: Den Bühnen volle Vorstellungen zum richtigen Zeitpunkt zu ermöglichen, die effizient und künstlerisch wertvoll seien. Wozu viel Kommunikation, viele Gespräche mit den Intendanten gehören, die er durch „ideale Bedingungen in ihrer Arbeit unterstützen will“.

Wenn da nicht die Coronakrise wäre. Die mit ihrem Abstandsgebot der Theaterkunst und ihren Empathie-, Nähe- und Emotionalitäts-Bedürfnissen zuwiderläuft. Deren Schutzmaßnahmen Zeit rauben, deren Vorschriftenflut ständig neue (Um-)Planungen erfordert. Während die Einnahmen zum großen Problem werden.

Eigentlich hätte er mit den Terminen der aktuellen Spielzeit nichts mehr zu tun, wäre er jetzt dabei, die Spielpläne für 2021/22 weiter zu verfeinern, etwa Probentermine festzulegen, und mit der Disposition für die Nachfolger für 2022/23 zu beginnen, ihre grundsätzliche Struktur festzulegen. Stattdessen heißt es aktuelle Termine umplanen, verschieben, ersetzen. „Vielleicht läuft es am Ende darauf hinaus, dass wir zwei Spielplanversionen erstellen müssen - einen unter Coronaschutzbedingungen und einen ohne“, grübelt Hertel. Bleibt da noch Zeit fürs private Musizieren? Ja, aber natürlich sehr eingeschränkt.