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Marionettentheater zeigt Schumanns Klavierkonzert

Marionettentheater zeigt Schumanns Klavierkonzert

Das Ehepaar Weißenborn wagt Ungewöhnliches: Die Puppenspieler setzen Schumanns Klavierkonzert a-moll in Szene.

Wuppertal. Ganz langsam, wie in Zeitlupe, erhebt sich die Marionette, schwingt sich graziös zur einen Seite, dann zur anderen. Sie hebt die Hände, beugt den Oberkörper, schreitet mit wehendem Rock und sichtbarer Beinbewegung. In Müllers Marionettentheater feiert die reine Puppenkunst ein Fest.

Nach Versuchen mit Ballettmusik wie "Feuervogel" oder "Sacre du Printemps" hat das Ehepaar Weißenborn jetzt Robert Schumanns Klavierkonzert a-moll mit einer Marionette vertanzt. "Sie finden einen einigermaßen aufgeregten Puppenspieler vor sich", beginnt Günther Weißenborn den kurzen Abend und erzählt den Werdegang dieser ungewöhnlichen Uraufführung. "Wir hatten schon immer das Gefühl, dass Marionetten mehr können, als wir gedacht haben." So reifte schließlich die Idee, ein abstraktes Musikstück mit einer extra entworfenen Marionette umzusetzen.

Der Vergleich mit menschlicher Ballettkunst allerdings wird vermieden. Schon die Puppe ähnelt mit ihrem großen, runden Kopf und der ausgeprägten Nase kaum einer Ballerina. Sie trägt ein langes, weißes Kleid mit Puffärmeln und Gürtel, dazu einen roten Schal. Behände dreht sie sich im Kreis, wirft das Bein in die Luft oder fällt in den Spagat. Sie kann daraus sogar auf einem Bein aufstehen und schräg durch die Luft schweben. Ihre Bewegungen sind sanft, selbst wenn die Musik lebhaft wird.

Am eindrucksvollsten ist diese Marionette, wenn sie mit leichter Kopf- und Armbewegung eine fast menschliche Ausstrahlung bekommt. Nach 45 Minuten gibt es herzlichen Applaus und fünf Vorhänge für die Puppenführerin Ursula Weißenborn.

Die Zuschauer, die zum ersten Mal im Theater sind, reagieren etwas verhalten und scheinen ratlos angesichts des handlungslosen Stücks. Die echten Fans hingegen sind begeistert. "Ich bin überrascht, wie man so etwas so eindrucksvoll wiedergeben kann", lobt die Zuschauerin Gertrud Köbberling. Auch Marianne Hast hat das Stück gefallen: "Ich fand es schön, wie die Puppe zum Leben erwacht."