Marek Janowskis großartiges Konzert in der Wuppertaler Stadthalle 

Konzert : Marek Janowskis großartiges Konzert in der Stadthalle 

Der Dirigent gastierte zu seinem 80. Geburtstag mit dem Sinfonieorchester des WDR in Wuppertal.

Ohne Wenn und Aber war es mit großem Abstand das Highlight im sinfonischen Musikleben dieser Spielzeit in Wuppertal, als am Mittwochabend ein berühmter Sohn der Stadt hier seinen 80. Geburtstag feierte. In der Stadt von klein auf groß geworden, zur Schule gegangen und auch während seines Studiums weiter gelebt, hatte er anschließend die großen Bühnen erobert, die die Welt bedeuten. Zweifelsohne gehört er mit zu der legendären Wuppertaler Dirigentenriege, der auch Hans Knappertsbusch und Günter Wand angehören. Die Rede ist von Marek Janowski, dem Wuppertals Kulturdezernent Matthias Nocke nach dem umwerfenden Abend im ausgezeichnet besuchten Großen Saal der Stadthalle die Geburtstagsgrüße der Stadt übermittelte, unter anderem mit den Worten: „Im schönsten Konzertsaal Deutschlands“. Worauf Janowski postwendend bestätigte: „Recht hat er“.

Mit Franz Schuberts großer C-Dur-Sinfonie (D 944) beschenkte der Maestro sich selbst und die Zuhörer. Dass diese Aufführung zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde, war auch dem WDR Sinfonieorchester zu verdanken, fraglos einer der bestens Klangkörper Deutschlands. Hier stimmte nämlich einfach alles. Jede Orchestergruppe für sich klang wie ein einziges Instrument. Vom weichen Piano bis hin zum gewaltigen Forte war ein stets extrem homogenes, äußerst differenziertes Klangbild vernehmbar. Unter Janowskis beweglichem, weitsichtigem Dirigat wurden die ausgedehnten musikalischen Linien höchst dramatisch gestaltet, jede solistische Feinheit und komplexe Strukturen ganz klar herausgearbeitet. Eine ungemein spannungsgeladene Atmosphäre baute sich auf, die sich derart auf das Publikum übertrug, dass man im Auditorium zwischenzeitlich eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Auch Ludwig van Beethovens zuvor aufgeführtes drittes Klavierkonzert in c-Moll (op. 37), ebenfalls ein wegweisendes Opus, erklang wie aus einem Guss. Pianist Herbert Schuch, eingesprungen für den erkrankten Shootingstar Seong-Jin Cho, integrierte sich kongenial in das Orchester. Gerade die lyrischen Momente wurden klangsinnlich herausgearbeitet. Fein ziselierte Orchesterklangfarben harmonierten vorzüglich mit Schuchs einerseits gesanglichem, andererseits kraftvoll-brillantem Klavierspiel. Zudem demonstrierte er anhand von Franz Liszts „La Campanella“ als Zugabe eindrucksvoll die ganz große Fingerfertigkeit seiner rechten Hand.

Lang anhaltende, stehende Ovationen waren der verdiente Dank für ein Meisterkonzert allererster Güte.

Im August wird Janowski zum zweiten Mal Chef der Dresdner Philharmonie. Vielleicht gastiert er auch mit diesem Spitzenorchester einmal in Wuppertal. Hätte er es nicht verdient, wenn dann der Oberbürgermeister das Goldene Buch der Stadt mit auf den Johannisberg brächte, worin sich einst auch Günter Wand verewigen durfte?

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