Lügen ernten viel Applaus: Doppelte Premiere im Leo-Theater

Lügen ernten viel Applaus: Doppelte Premiere im Leo-Theater

Thorsten Hamer weiht die zweite Bühne im großen Saal ein.

Langerfeld. Ein überaus kompliziertes, dennoch logisches Lügengespinst, das nicht zerreißen darf — und ein rotes Band, das mit Freude zerschnitten wurde.

Im Leo-Theater an der Öhder Straße wurde gleich doppelt Premiere gefeiert: Neben der ersten Aufführung der turbulenten Komödie „Lügen haben junge Beine“ von Ray Cooney zelebrierte Hausherr Thomas Hamer auch die Einweihung der zweiten, größeren Bühne im großen Saal.

Auf dieser spielt sich denn auch ohne Umbau das Stück parallel in zwei Wohnungen ab. Der Londoner Taxifahrer John Smith (Oliver Wolff) lebt zwei Leben: eines mit seiner hausbackenen, aber fantastisch kochenden Frau Mary (Christiane Breucker) samt pubertär-zickiger Tochter Vicky (Julia Streich) in Wimbledon. Das andere mit der weniger in der Küche begabten, dafür attraktiveren Barbara (Manuela Pawlik) und Sohn Gavin (Jan Schulte) in Streatham — bis das Doppelleben aufzufliegen droht, als sich Vicky und Gavin im Internet kennenlernen und treffen wollen. Panisch spannt John seinen Freund und Untermieter Stanley Gardner (Thorsten Hamer) ein, um dieses Treffen zu verhindern.

Thorsten Hamer inszeniert die temporeiche Komödie als rasant-lärmige Fahrt auf allen Humorschienen. Und zeigt in seiner Rolle als Stanley beeindruckende Wandlungsfähigkeit — sei es als schmissiger Anrufbeantworter, der Barbara am Telefon abwimmeln muss, oder bei seinen unzähligen Versuchen, Gavin aus dem Haus zu komplimentieren, der wie ein Boomerang immer wieder zurückkehrt.

Schulte spielt die Rolle des trotzig-penetranten Gavin so überzeugend, dass der Zuschauer Stanleys sich dem Wahnsinn nähernde Verzweiflung absolut mitfühlt, wenn Gavin zum x-ten Mal doch wieder zur Tür hereinschneit. Hamer und sein Ensemble ernten mit ihrer gelungenen Darbietung vor ausverkauftem Haus ein bestens unterhaltenes Publikum, das sich auch von kleinen Ton- und Lichtproblemen nicht sonderlich stören ließ.

Nicht zuletzt aufgrund des auf den Punkt funktionierenden Zusammenspiels von Hamer und Wolff, die das Lügen-Kartenhaus in schwindelerregend absurde Höhen treiben und immer noch einen oben drauf setzen, wenn man den Zusammensturz schon meint kommen zu sehen.

Der begeisterte Applaus nach einer überraschenden Schluss-pointe sprach für sich — danach lud Hamer zum gemeinsamen Premieren-Snack und dankte dem Ensemble, dessen Proben durch den Bühnenbau mit belastet war, für die Zusammenarbeit.

Regie:
4 von 5
Bühne: 5 von 5
Ensemble: 4 von 5

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