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Literatur Biennale : Vier Tage über „Tier,  Mensch, Maschine - Berührungen“ nachdenken,  lesen und zuhören

Vier Tage zum Thema „Tier, Mensch, Maschine - Berührungen“ : Literatur Biennale lockt mit Sinn für Zeitgeist und interessanten Autoren

Vier Tage über „Tier, Mensch, Maschine - Berührungen“ nachdenken, lesen und zuhören.

Das Programmheft ist frisch und doch schon etwas überholt. Man halte am ambitionierten Vorhaben fest, sagt Kulturdezernent Matthias Nocke fast trotzig, während Kulturbüromitarbeiterin Julia Wessel einfach nur hofft, dass nach den vielen digitalen Angeboten nun endlich echte Vorleseerlebnisse möglich werden. Gemeint ist die Wuppertaler Literatur Biennale, die im Mai gecancelt wurde und in abgespeckter Version vom 5. bis 8. November nachgeholt werden soll. Steigende Coronainfektionszahlen freilich gefährden das Unterfangen: Das Programm ist gerade um zwei Angebote ärmer geworden.

Mehr als 30 Veranstaltungen mit Autoren aus elf Ländern sollten Wuppertal an den zehn Tagen vom 14. bis 23. Mai zum fünften Mal in ein Mekka der Buchfreunde verwandeln. So war der Plan vor der Coronakrise. Nach dem Lockdown nutzte der Koordinierungskreis der Biennale unter Leitung von Kulturbüroleiterin Bettina Paust die Zeit, um das Format auf seine Essenz zu schrumpfen und so doch noch zu realisieren. Nun sind an vier Tagen 15 Veranstaltungen mit 30 bis maximal 60 Gästen an fünf Orten geplant. Und nur noch der in Frankreich lebende Schotte Martin Walker reist aus dem Ausland an.

Nur Autor Martin Walker reist
aus dem Ausland an

Der durch seine Krimis (um den Chef de police Bruno) bekannt gewordene Schriftsteller eröffnet am 5. November in der Citykirche Elberfeld das Literatur-Festival mit seinem 2015 erschienenen Buch „Germany 2064“. Das spielt in einem Deutschland, das in zwei Welten geteilt ist, und „packt das Thema der Biennale von beiden Seiten an“, erklärt Julia Wessel. „Tier, Mensch, Maschine - Berührungen“, so ihr Titel, arbeitet bewusst mit aktuellen Begriffen, die in der Literatur eine Rolle spielen. Es gehe um das sich wandelnde Verhältnis von Mensch und Tier und Mensch und Maschine, erklärt Paust. Heißt: Tiere werden seit der Jahrtausendwende zunehmend nicht mehr als Sachen angesehen, um ihre Persönlichkeitsrechte werde gerungen. Und künstliche Intelligenz werte Maschinen auf, die zu weiteren Wesen neben Mensch und Tier aufrücken. In der Coronakrise kommen weitere Bedeutungen, nicht nur beim Wort Berührungen, hinzu. Paust: „Die Coronakrise hat uns bewusst gemacht, wie wichtig analoge Berührungen sind und wie abhängig unsere Kommunikation von der digitalen Welt ist.“

Der Abend des 6. November wird von Autoren gestaltet, die im Bergischen Land leben und im Café Ada über das Biennale-Motto nachdenken. Die insgesamt sechs, jeweils einstündigen Lesungen, Vorträge, Heftvorstellungen und Performances versuchen nacheinander Fragen wie „Was wollen wir werden?“ zu beantworten. Drei jüngere Autoren und ein renommierter gestalten den Samstag (7. November): Norbert Scheuer kommt mit seinem „Heimatroman“ „Winterbienen“, mit dem er 2019 auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis stand, in die Stadtbibliothek. Den verschiedenen Mensch-Maschine-Metamorphosen gehen Berit Glanz („Pixeltänzer“), Artur Dziuk („Das Ting“) und Emma Braslavsky („Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten“) in der Sophienkirche auf den Grund.

Preis der Literatur Biennale wird im Skulpturenpark übergeben

Zum vierten Mal wird der Preis der Wuppertaler Literatur Biennale vergeben, der eine nachhaltige Förderung sei. Gerade sei Anja Kampmann, die 2014 ausgezeichnet wurde, für den National Book Award nominiert worden, erklärt Ruth Eising vom Koordinierungskreis. Philipp Böhm ist der diesjährige Preisträger in Wuppertal, sein Text „Playhouse“ setzte sich gegen 90 Einsendungen aus dem deutschsprachigen Raum durch. Der Förderpreis geht diesmal an Astrid Gläsel, die mit „Einander Gutes tun“ überzeugte. Beide erhalten ihre Ehrungen am Vormittag des 8. November in der oberen Halle des Skulpturenparks. Dort folgen am Nachmittag zwei Angebote: Svenja Flaßpöhler und Ilija Trojanow diskutieren über den Einfluss von Corona- und Klimakrise auf die persönlichen Haltungen des Menschen, anschließend stellt Trojanow seinen Bestseller „Eistau“ vor, der die Gefährdung der Natur durch den Menschen thematisiert.

Eigentlich sollte Christoph Ransmayr mit seinem Buch „Cox oder der Lauf der Zeit“ die Biennale beschließen. Doch der Wiener verzichtet wegen der Coronakrise, die auch den Lyrik-Salon mit Musik „Die Tiermenschmaschine“ vereitelt, der am 5. November der Lyrik einen Raum geben sollte.

Das Programm steht, weitere Einschränkungen und Absagen sind leider nicht ausgeschlossen.