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Kultur in Wuppertal: Laske begeistert beim Frühlingskonzert

Kultur in Wuppertal : Laske begeistert beim Frühlingskonzert

Der Solist trat mit dem Chor der Landesregierung, dem Oratorienchor Hilden und der russischen Kammerphilharmonie auf.

Bis zum Frühlingsanfang am 20. März ist es noch etwas hin. Frühlingskonzerte füllen aber schon jetzt die Säle. Auf das Programm „Komm, holder Lenz!“ stimmten Blumenrabatten im Foyer der Stadthalle ein. Und als wollten sie der Blütenpracht Konkurrenz machen, trugen die Sängerinnen unter den Choristen leuchtend bunte Blusen.

Wie feiert man den Frühling? Am besten mit viel Schwung, findet Dirigent Franz Lamprecht. Für sein Sängerensemble – der Chor der Landesregierung Düsseldorf wurde vom Oratorienchor Hilden verstärkt – hatte er einen reichen Strauß aus Oper und Operette zusammengestellt.

Begleitet von der Kammerphilharmonie St. Petersburg, legte der Chor mit Verdis „Zigeunerchor“ los. Den kräftigen Rhythmus akzentuierten die Schlagzeuger mit Hammerschlägen. Einen „immensen Jubel“ versprach ein Stück aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“. Dieses Versprechen lösten die gut hundert Stimmen mit dichtem, homogenem Klang und sauberer Artikulation ein.

Mit Thomas Laske bot der Abend einen Solisten von internationalem Ruf. Ob Bach-Passion oder die leichte Muse – es sind nur zwei Facetten des gebürtigen Stuttgarters. Die Panflöte an die Lippen haltend, kündigte der Bariton seinen Auftritt als Papageno an. An den Wuppertaler Bühnen hat er Mozarts Vogelfänger-Arie häufig gesungen. Auch jetzt überzeugte er mit strahlender Stimme und komödiantischem Spiel.

Der Stierkämpfer aus „Carmen“ ist nicht wirklich ein Sympathieträger. Dafür kam der Sänger mit seiner höhensicheren Interpretation von „Auf in den Kampf, Torero“ sehr gut an. „Danke“-Rufe gingen durch den Großen Saal, als Laske „Dunkelrote Rosen“ von Millöcker vortrug. Ohne zu forcieren, gab er der Melodie angenehmen Schmelz, und auch das langsame Zwischenspiel der Geigen tat nicht zu viel des Guten.

Nach der Opernatmosphäre beschworen Chor und Orchester die Stimmung der „Last Night Of The Proms“ herauf. Ohne „Jerusalem“ kommt keines der Festkonzerte aus der Londoner Royal Albert Hall aus. Die Komposition von Charles Hastings Parry schätzt Lamprecht nicht bloß als eingängige Hymne.

Gern wies er auf das Gedicht von William Blake hin, das dem Werk die Vorlage liefert. Blake greift in seinem Text die Legende auf, dass Jesus auch einmal dem südenglischen Somerset einen Besuch abgestattet habe. Deshalb, erklärte Lamprecht seinen lachenden Zuhörern, spreche „Jerusalem“ von den „saftigen Wiesen, grünen Bäumen und sanften Hügeln“ der Grafschaft Somerset.

Zu Franz Lehár fiel dem Dirigenten mehr als eine Anekdote ein. Wer weiß schon, dass der Ungar Ende des 19. Jahrhunderts im Orchester des „Theaters von Barmen-Elberfeld“ spielte. Und dass niemand anders als sein Lehrer Antonin Dvorak ihn auf die passende Karrierespur brachte: „Hängen Sie die Geige an den Nagel und komponieren Sie lieber.“

So muss die Welt nicht auf solche Schlager wie den „Ballsirenen-Walzer“ verzichten. Einen Nerv trafen erst recht die Melodien von Lehárs Zeitgenossen Paul Lincke. Während das Publikum mitsummte, wiegte sich der Chor im Rhythmus von „Das ist die Berliner Luft“ und „Glühwürmchen, flimmre“. dad