Kreative Saitengespräche

In der Neuen Kirche begeisterte „New Jazz From New York“. Das Arthur Kell Quartet gab ein Konzert in der Reihe „Unerhört“.

Wuppertal. Wenn das die neue Jazz-Richtung aus den USA ist: Ja, bitte, mehr davon! In der Reihe "Unerhört" war das Arthur Kell Quartet mit "New Jazz From New York" zu Gast in der Sophienkirche.

Bassist Arthur Kell schreibt einen melodischen Jazz, der eine neue Innerlichkeit proklamiert. Inwendig und selbstvergessen bläst Loren Stillman sein Alt-Saxofon, findet in den improvisierten Parts zu schwungvollen Skalen, kann sein Instrument aber auch forcieren und drängend klingen lassen. Gitarrist Brad Shepik greift die Anregungen auf, findet zu dunkelklangigen, kreativen Saitengesprächen.

Kell und Joe Smith liefern die Fundamente: Der Bass entwirft oft Gegenrhythmen zu den Drums oder paraphrasiert deren Vorgaben. Sehr feinfühlig reagieren die Musiker aufeinander, kommunizieren in wachem Einverständnis.

Dabei steht die Klangfarben-Qualität im Vordergrund: Wie viele Schattierungen Smith seinen Trommeln und Becken entlockt, wie sicher Stillman von der innigen Ballade zu aggressiven chromatischen Skalen wechselt, wie Shepik seiner Gitarre passende Harmonien entlockt und sie "erzählen" lässt und Kell seinen Bass streichelt, lockt und klangvoll fordert, das zeugt von enorm sicherer Beherrschung von Instrumenten und Stilistik. Denn immer ist die Melodie Grundlage, entwickeln Rhythmen eigenständiges Leben, enden Stücke im tändelnden Geplänkel oder verlieren sich ausklingend.

"Crinkum Crankum" ist eines der bewegten Stücke: Angereichert mit vielen "twists and turns", wie Kell erläutert, entsteht ein lebendiges Auf und Ab von Rhythmen, Wirbeln, die sich bis hin zum wilden Getümmel steigern. Die Zugabe ist echtes "Chill out": Ein sanft pochender Rhythmus und eine weiche Saxofonmelodie entlassen begeisterte Jazz-Fans in den späten Abend.

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