Krabat: Ein 17-Jähriger aus Wuppertal wird zum Kinostar

Krabat: Ein 17-Jähriger aus Wuppertal wird zum Kinostar

David Fischbach macht Kino- und Fernsehkarriere. In Rumänien drehte der 19-Jährige den Film „Krabat“.

Wuppertal. Es ist ungewöhnlich, wenn ein Schüler in der 12. Klasse um drei Monate Urlaub bittet. Tatsächlich ließ der Direktor des St. Anna-Gymnasiums David Fischbach nur ungern ziehen. Doch dem Jugendlichen bot sich eine einmalige Chance: Der damals 17-Jährige durfte bei der Verfilmung des Preußler-Romans "Krabat" in der Regie von Marco Kreuzpaintner mitspielen. "Ich habe einfach im Internet geguckt und mich dann bei einer Agentur für Jungschauspieler beworben", sagt der Elberfelder.

Vor vier Jahren hatte er beim Kinder- und Jugendtheater angefangen und schnell seine Freude am Schauspielern entdeckt. Er spielte den Benjamin Lebert in "Crazy" und wollte nun häufiger aktiv werden. Also führte er beim Casting der Agentur Schwarz kleine Szenen vor und wurde in die Kartei aufgenommen.

Nach einem Jahr und einem Diplomfilm in Dortmund kam das Angebot für "Krabat". Fischbach flog nach München zum Casting, und dann ging es plötzlich ganz schnell: "Nur wenige Tage später kam die Nachricht, dass ich für acht Wochen nach Rumänien fliegen soll."

Die Eltern machten sich zwar Sorgen, aber der Jungschauspieler ließ sich nicht beirren. Er organisierte eine Fern-Schule, die ihn während seiner Drehwochen in Rumänien mit Stoff und sogar mit einem Privatlehrer versorgte, und setzte sich ins Flugzeug. "Am Anfang war alles total fremd - ich kannte gar nichts, nicht das Land und nicht die Leute." In den Karpaten liefen ihnen bei den Dreharbeiten, die häufig nachts und frühmorgens stattfanden, Bären über den Weg, und die Bauern fuhren in Kutschen vorbei.

Doch mit Schauspielern und Set-Mitarbeitern freundete sich Fischbach schnell an: "Die waren alle sehr nett und hilfsbereit." Die erfahrenen Schauspieler gaben dem Anfänger Tipps, und an drehfreien Tagen machten sie gemeinsam Party - wenn der Schüler nicht lernen musste. "Anfangs war das eine große Überwindung." Allerdings musste Hauptdarsteller David Kross ebenfalls noch für sein Abi büffeln.

Fischbach spielt im Film den Waisenjungen Lobosch, der gegen Ende in die Mühle des Schwarzen Zauberers kommt: "Das Set sah so realistisch aus - das machte das Spielen leichter." Wohnwagen standen bereit, damit sich die Schauspieler zwischendurch aufwärmen konnten. Als sich gegen Ende die Dreharbeiten verlängerten, verloren allerdings alle Mitwirkenden die Lust. Danach dauerte es zwei Jahre, bis der Film Anfang Oktober endlich in die Kinos kam. "Als ich ihn gesehen habe, war ich sofort wieder in Rumänien."

Inzwischen hat Fischbach schon den nächsten Film gedreht: Im September spielte er in der ZDF-Serie "Unter Verdacht" mit Senta Berger eine Episodenhauptrolle. "Das war ganz anders als Kino: ein bisschen schneller, ein kleineres Team." Im kommenden Frühjahr soll die Folge gesendet werden. Jetzt muss der 19-Jährige erst einmal seinen Zivildienst absolvieren. Im Januar beginnt er im Bethesda-Krankenhaus. Gleichzeitig bereitet er sich auf die Schauspielschule vor: Er spricht in Essen, Berlin und Wien vor. Da seine Erfolgsquote bisher bei zwei von acht Castings gelegen ist, stehen die Chancen wohl auch diesmal gut.

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