Konzertmeisterin Gabriela Ijac: Ein Abschied in Fernost

Konzertmeisterin Gabriela Ijac: Ein Abschied in Fernost

35 Jahre lang war Gabriela Ijac in Wuppertal Konzertmeisterin. Bei der Japan-Tour steht sie zum letzten Mal auf der Bühne – und freut sich wie auf den ersten großen Auftritt.

Wuppertal/Tokyo. "Wer hätte gedacht, dass ich das zum Abschied noch einmal erleben darf?" Gabriela Ijac wohl am allerwenigsten. Vor 24 Jahren spielte sie in der ehrwürdigen Suntory Hall in Japan - im Dienste des Hessischen Rundfunks. Am Montag kehrt sie zurück - im Namen des Wuppertaler Sinfonieorchesters. Die Vorfreude ist groß, denn allein die Vorstellung, dass sie - wie damals - Mahler interpretiert, lässt die Augen glänzen. "Die Halle hat eine wunderbare Akustik", schwärmt Ijac. "Man kann sie mit der Berliner Philharmonie vergleichen."

Die gebürtige Rumänin erlebt derzeit aufregende Wochen. Zu Hause, in der Stadthalle, wurde sie bereits verabschiedet: 35 Jahre lang war Ijac Konzertmeisterin in Wuppertal. Dem heimischen Publikum ist sie bestens vertraut: Wer die Sinfoniker schon einmal live erlebt hat, kennt auch die blonde Musikerin, die herzlich und hilfsbereit ist, aber auch weiß, was sie will.

Dass sie nun eine ganz besondere "Zugabe" gibt und bei der Japan-Tournee mit von der Partie ist, macht sie sichtlich stolz. "Ich fühle mich geehrt. Man hätte ja auch einen Gast-Konzertmeister engagieren können." Das aber wollte Chef-Dirigent Toshiyuki Kamioka nicht - er wollte Gabriela Ijac an seiner Seite haben. So beginnt deren "Ruhestand" mit Arbeit, zumal noch kein Nachfolger für die 62-Jährige gefunden wurde. Konzertmeister Nikolai Mintchev, mit dem Ijac sich die Japan-Konzerte teilt, ist zwar längst eine feste Größe im Orchester, "aber für einen Konzertmeister allein ist das Programm zu umfassend".

Dabei ist ausgerechnet ein Nicht-Musiker der wichtigste Begleiter der Mozart-Liebhaberin: Dass ihr Ehemann Florin Mikail ebenfalls die Koffer gepackt hat und mitreist, freut die 1. Konzertmeisterin besonders - nicht nur, weil sie ungern fliegt und dadurch eine starken Schulter an ihrer Seite weiß.

"Mein Mann hat als Biologe im Bayer-Forschungszentrum gearbeitet und war beruflich oft in Japan. Deshalb haben wir auch Freunde hier", erzählt die Vohwinkelerin, die die Zeit in Asien trotz der Arbeit zu nutzen weiß - für ein Wiedersehen, versteht sich. "Unsere Freunde kommen natürlich in die Suntory Hall!"

Bei aller Begeisterung für die Musik und das Wuppertaler Sinfonieorchester schlägt Ijac allerdings auch nachdenkliche Töne an. "Die 35 Jahre waren eine interessante, intensive Zeit", sagt sie. "Aber jetzt mache ich mir Sorgen um die Zukunft der Wuppertaler Kultur. Ich wage zu behaupten, dass die Schwierigkeiten, einen geeigneten Nachfolger zu finden, nicht nur an den hohen Ansprüchen liegen, die gestellt werden." Sondern? "Es liegt bestimmt auch an den schlechten Nachrichten, die aus Wuppertal kommen. Man spricht über Kürzungen, Fusionen, den Abbau von Kultur."

Ihren persönlichen Musikgenuss will sich Ijac davon aber nicht schmälern lassen: Sie wird der Kultur auf keinen Fall den Rücken zudrehen. Im Gegenteil. Ob sie demnächst im Publikum sitzt, wenn ihre (ehemaligen) Kollegen spielen? "Natürlich! Sowohl im Konzert als auch in der Oper." Noch gibt sie allerdings selbst den Ton an. "Ich kann es kaum erwarten, in der Suntory Hall zu spielen. Die Tournee ist der Höhepunkt meiner Karriere." Die 62-Jährige sagt das nicht einfach so dahin - sie strahlt dabei wie ein junger Backfisch, der dem ersten großen Auftritt entgegenfiebert.

Mehr von Westdeutsche Zeitung