Kölner Band „Zoum Sondy“ begeistert mit ihrer Afro-Reggae-Musik im Swane-Café.

Festival : Rhythmisches Plädoyer für die Vielfalt

Sommerfestival „Von Wuppertal für Wuppertal“: Die siebenköpfige Kölner Band „Zoum Sondy“ begeistert mit ihrer Afro-Reggae-Musik im Swane-Café.

Seine Band sei wie eine große Sauce – jeder gebe etwas dazu, damit es am Ende gut schmecke, sagt Zoumana Meité. Am Samstag ließ der Leadsänger und Namensgeber der siebenköpfigen Kölner Afro-Reggae-Band „Zoum Sondy“ die Wuppertaler von seinem „Gericht“ kosten. Im Café Swane an der Luisenstraße traten die Musiker im Rahmen des Sommerfestivals „Von Wuppertal für Wuppertal“ auf, das dort seit dem 19. Juli und noch bis zum 31. August stattfindet. Ein Abend zum Feiern, Tanzen und ein wenig auch zum Nachdenken.

Musikalische und inhaltliche Übereinstimmung wichtig

Zoumana Meité kam 2006 aus dem vom Bürgerkrieg geplagten Land Elfenbeinküste ins deutsche Köln. Der Pharmareferent lebte sich ein – lernte Deutsch, fand Arbeit und erinnerte sich schließlich seiner Leidenschaft, der Musik. Diese ist deutlich durch sein Vorbild Alpha Blondy geprägt, der mit seiner Band „Solar System“ zu den erfolgreichsten Reggaebands Westafrikas zählt. „Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen, er singt in meiner Sprache, versteht mich. Auch ich hatte eine schwierige Kindheit“, erzählt Zoum.

Für seine Band suchte er sich gezielt Musiker, die nicht nur musikalisch zu ihm passen, sondern auch mit seiner Auffassung harmonieren. „Zoum Sondy“, 2016 gegründet, ist eine internationale Band, die auf Festivals zuhause ist, im letzten Jahr auch am international bekannten MASA-Festival in der Elfenbeinküste teilnahm. Auch für Sängerin Mansureh, gebürtige Kölnerin mit französisch-iranisch-madagaskarischen Wurzeln, ist Alpha Blondy ein Idol, den man gleichwohl nicht kopieren will. Die Band formt aus der Verschiedenheit ihrer Mitglieder und aus Reggae-, Rock- und Jazz-Elementen eine neue Einheit, entwickelt sich stets weiter, wozu auch etliche personelle Wechsel beitragen. „Neue Leute bedeuten eben auch neue Ideen“, meinen Gitarrist Mario und Sängerin Raha. Für alle ist Reggae nicht irgendeine oberflächlich zu konsumierende Musik. Sie bespreche vielmehr „politische und menschliche Dinge“, die eine Haltung erfordern, transportiere eine Botschaft, sagt Bassist Erwin. „Wir müssen wie eine Person sein, ob reich oder arm, wir sind doch alle gleich. Das ist die Aussage von Reggae, und dafür mögen ihn so viele Afrikaner“, erklärt Zoum, der während seines Auftritts einen Schal mit den Nationalfarben der Elfenbeinküste um den Nacken trägt. „Wir sind Mund, Auge und Ohr der Bevölkerung – auch wenn es gegen die Regierung geht und Mut erfordert.“

Vorbilder sind Musik und Botschaft von Alpha Blondy

Zwölf Lieder umfasst das Repertoire der Band, die in Wuppertal ohne Keyboarder und Saxophonist antritt, was schade ist, aber durch Einsatz kompensiert wird. Lieder in französischer und deutscher Sprache, in Dioula und Baoulé, zwei der insgesamt 67 Dialekte der Elfenbeinküste. Darunter das bekannte Lied „Tu me fais mal“ über eine Beziehung, die zu Ende geht, und das Antikriegslied „Abobo“ über ein ehemaliges Einwandererquartier in Zoums Heimatland, das im Bürgerkrieg Ziel eines Anschlags war. „Ausländer Yako“ wiederum wirbt dafür, „dass wir alle gleich, alle eine Familie sind“, ruft Zoum ins Publikum.

Ein Gedanke, den auch Selly Wane unterschreibt, die die Betreiberin des Swane Cafés und Organisatorin des Sommerfestivals ist. Vor drei Jahren hat die gebürtige Senegalesin die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, um Bands mit unterschiedlichen Wurzeln und Stilen in Wuppertal eine Bühne zu geben. Anfänglich waren dies vor allem lokale Ensembles, mittlerweile hat sich der Radius deutlich erweitert. „Ich möchte mit dem Festival zeigen, dass ich Diversität und Vielfalt für eine Stärke halte und damit dem unguten Trend entgegentreten, diese als Schwäche darzustellen.“

Die Resonanz des (ebenfalls in jeder Hinsicht vielschichtigen) Publikums, das auch am Samstag in Scharen in ihr Café im Luisenviertel strömten und sich Zoum Sondys „Mahlzeit“ schmecken ließen, gibt ihr Recht.

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