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Klezmer als „leckere“ Melodie

Klezmer als „leckere“ Melodie

Giora Feidman entlockte seiner Klarinette in der Stadthalle sanfte und seidene Klänge.

Wuppertal. "Dona, Dona, Dona" - wenn Giora Feidman es fordert, singt das Publikum brav mit. Der Meister des Klezmer braucht nur wenige Bewegungen mit den Händen, um die altbekannten jüdischen Melodien auch im Saal erklingen zu lassen.

In einem Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch erklärt er manche Programmpunkte ("eine lecker Melodie") und bekennt sich zum Frieden ("Warum ist Krieg eine Lösung?"). Vor allem aber spielt er, kommt wie immer von hinten in die Stadthalle mit seinen aus dem Nichts auftauchenden, leisen Tönen.

Völlig versunken steht Feidman auf der Bühne, scheint das Publikum anfangs gar nicht wahrzunehmen, ist ganz und gar eins mit seinem Instrument. Wunderbare, berührende Töne holt der 73-Jährige aus seiner Klarinette. Mal schmeichelt sie sanft und melancholisch, dann wieder hüpft sie quietschend und fröhlich in jüdischen Tanzmelodien.

Und immer wieder geht Feidman ins Pianissimo zurück, getragen von den seidenen Klängen der Internationalen Symphoniker Deutschland und der Aufmerksamkeit des Publikums.

Feidman bietet beim Konzert in der zu zwei Dritteln besetzten Stadthalle ein breit gefächertes Programm voller verträumter Melodien und lebhaften Tanzrhythmen. Er spielt Werke von zeitgenössischen israelischen Komponisten wie "Nigun" von Sergei Abir, "Freylach" von Gil Aldema oder "Jewish Wedding" von Boris Pigovat, eine ulkige Parodie auf betrunkene Hochzeitsfröhlichkeit. Dazu gesellt er eigenwillige Interpretationen von Piazzolla-Stücken und die bekannten Melodien aus Gershwins Musical "Porgy & Bess".

Arkady Berin ist mit seinen Internationalen Symphonikern ein perfekter Partner für Feidman. Er zaubert farbige Klänge aus seinem Streichorchester und gut gestaltete Melodien voller Emotionen, lässt Feidman viel Raum, kann aber auch mit seinem Orchester auftrumpfen.

Immer wieder zeigen die Musiker an den ersten Pulten, dass sie auch solistisch gewandt spielen. Besonders Evgenia Gelen besticht als Solistin in Antonio Vivaldis "Sturm" aus den "Vier Jahreszeiten" und wird vom Publikum bejubelt.

Feidman wiederum gibt seine Zugabe ganz unkonventionell schon im ersten Teil und verschwindet am Schluss trotz Standing Ovations recht schnell hinter die Bühne.