Kiwi-Projekt erklingt im Opernhaus

Musikalische Früherziehung : Kiwi-Projekt erklingt im Opernhaus

Teilnehmende Familien geben ihr erstes Konzert vor Publikum.

Den Sprung vom Singprojekt zum Mitsingkonzert hat Kiwi geschafft. Als „Kinder- und Wiegenlieder aus aller Welt“ startete das Angebot 2015 in der Alten Feuerwache. Zielgruppe: Eltern mit Kindern unter drei Jahren. Das gemeinsame Singen soll die emotionalen und sozialen Kompetenzen des Nachwuchses stärken und ihre Kreativität fördern.

Mittlerweile gibt es drei weitere Kiwi-Gruppen von Elberfeld bis Oberbarmen – und gemeinsam traute man sich einen Auftritt im Kronleuchterfoyer des Opernhauses zu. Beim Gratis-Konzert am Dienstag wurde der Eltern-Kind-Chor von Sängerinnen der Wuppertaler Bühnen und Musikern des Sinfonieorchesters unterstützt. Die gut 80 Zuhörer belegten sämtliche Sitzkissen und Bänke.

Intendant Berthold Schneider freute sich über das große Interesse und versicherte, „dass es im nächsten Jahr erneut eine Kiwi-Veranstaltung im Opernhaus geben wird“. Nach der Begrüßung überließ er Hayat Chaoui das Feld und suchte sich einen Platz mitten im Publikum.

Gesangspädagogin Chaoui vertritt die Bergische Musikschule beim Projekt, an dem rund 50 Familien teilnehmen. Kooperationspartner ist das Kommunale Integrationszentrum der Stadt, das sich um die Finanzierung kümmert und für Treffpunkte sorgt – unter anderem im Deutsch-Französischen Kindergarten und in der Katholischen Familienbildungsstätte.

Lieder in verschiedenen Herkunftssprachen und immer auch in deutscher Übersetzung singen – das Konzert nahm das Kiwi-Prinzip direkt auf. Los ging es mit dem „Guten Morgen“-Lied, das zwischen Deutsch, Englisch und Spanisch wechselte, und setzte sich fort mit arabischen und russischen Melodien. „In unseren Gruppen haben wir mehr als 20 Sprachen kennen und lieben gelernt“, erklärte Chaoui.

Das Singen kam selten allein. Dirigentin Chaoui brachte Kinder und Erwachsene dazu, aufzustehen, im Takt zu klatschen und zu tanzen. Selbst die Jüngsten konnten aktiv werden. Das Team aus Gesangslehrerinnen und Erzieherinnen verteilte kleine Papier-Vögel an die Kinder. Am Ende des Liedes konnte jedes sein Tier auf einer Decke landen lassen.

Die Profis rundeten die musikalische Weltreise ab. Bevor Sopranistin Nina Koufochristou ein „Schlaflied für einen Elefanten“ anstimmte, schickten Ulrike Nahmmacher (Geige), Michael Hablitzel (Cello), Igor Parfenov (Klavier) und Thomas Lensing (Perkussion) den Dickhäuter in den sprichwörtlichen Porzellanladen. Heraus kam ein schön schräges Klangbild. Umso stimmungsvoller war der Beitrag von Opernchorsängerin Banu Schult. Sie sang ein „Ninni“, ein türkisches Wiegenlied, und löste damit echte Gänsehautmomente aus.

Der Schlussapplaus fiel stürmisch aus – und die Konzertbesucher nahmen eine gute Nachricht mit nach Hause. Ab Mittwoch, 21. November, können Eltern und Kinder vormittags auch im Bücherschiff der Zentralbibliothek singen. In Zukunft wird die Bücherei in Elberfeld einer neuen KIWI-Gruppe jeden ersten und dritten Mittwoch offen stehen. „Die Vernetzung innerhalb der Stadtteile geht weiter“, sagte Karin Glowienka vom Kommunalen Integrationszentrum.

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