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Kirchenmusik 5: Die Orgel als Nebenjob

Kirchenmusik 5: Die Orgel als Nebenjob

Die 21-jährige Jennifer Hölters möchte nicht nur Juristin, sondern auch Organistin werden.

Wuppertal. "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt" - was wären klassische Kirchenlieder ohne das mächtige Brausen der Orgel? Ganz zu schweigen von den unbekannteren Liedern, die nur durch eine deutlich hörbare Melodielinie zum Singen einladen.

Nicht jeder jedoch darf an die Königin der Instrumente - wie so vieles ist auch der Zugang zur Orgel geregelt. Für den Anfang gibt es bei der evangelischen Kirche den "Befähigungsnachweis", bei dem die Organisten zeigen müssen, dass sie eine gewisse Anzahl von Chorälen begleiten und drei größere Orgelstücke spielen können. Auch Grundkenntnisse der Liturgie, des Gesangbuchs und der Orgel werden geprüft. Höhere Weihen für nebenberufliche Organisten verleiht dann die C-Kirchenmusiker-Prüfung.

Jennifer Hölters absolviert derzeit die umfangreiche Ausbildung dafür. Vor knapp zwei Jahren, direkt nach ihrem Befähigungsnachweis, hat die Jurastudentin damit angefangen: "Ich wollte gerne einen richtigen Abschluss haben." In ihrem Zimmer in Vohwinkel steht eine kleine elektrische Orgel. "Aber da kann ich nur die Hände trainieren oder Fingersätze machen."

Will die 21-Jährige richtig üben, muss sie jedes Mal in die Kirche fahren - sie hat Schlüssel sowohl für die an der Gräfrather Straße als auch für die am Bremkamp. Wenn sie Pech hat, probt dann schon ein anderes Ensemble für den Gottesdienst. "Meistens kann ich aber rein."

Die größte Herausforderung war für sie am Anfang die Koordination zwischen Händen und Füßen. "Man fängt mit Pedalübungen an, dann kommt die eine Hand mit Füßen, dann die andere", schildert sie den Ablauf. Und dann kommen noch die Register - sie regeln das Aneinanderkoppeln der Orgelpfeifen und damit die Klangfarben. Immer wieder wechseln die Organisten während eines Stückes die Register, indem sie verschiedene der vielen Knöpfe neben der Orgel drücken.

Spielt die junge Organistin in einer Kirche zum ersten Mal, muss sie sich erst einmal die Orgel und ihre Register in Ruhe anschauen - sie sind bei jedem Instrument individuell verteilt. Welche Register an welcher Stelle passen, hängt von der Epoche des Stückes ab.

Solche Feinheiten lernt Hölters neben Fingertechnik und Ausdruck im Orgelunterricht. Zwei Stunden lernt sie pro Woche beim evangelischen Kreiskantor Achim Maertins. Dazu kommen verschiedenste Kurse der Evangelischen Kirche im Rheinland: In Düsseldorf trainiert Hölters Gehörbildung, Harmonielehre und Musiktheorie. In Bonn werden dann mehrtägige Kompaktkurse angeboten, bei denen Liturgik, Hymnologie, Orgelkunde und Musikgeschichte gepaukt werden. Zusätzlich gibt es Intensivkurse mit Orgelspiel, Gesangsunterricht, Chorleitung und Popularmusik.

"Dafür musste ich jetzt mein anderes Hobby, Rope Skipping (Seilspringen), aufgeben", bedauert Hölters. Dafür wird sie jetzt in der Sommerzeit viel als Vertretung für Gottesdienste engagiert, weil andere Organisten Urlaub machen. Und wenn sie ihre C-Prüfung bestanden hat, kann sich die Vohwinkelerin auch für eine feste nebenberufliche Stelle bewerben.