Kevin Hays und Lionel Loueke: In Wuppertal prallen Welten aufeinander

Kultur : Mit Kevin Hays und Lionel Loueke prallen Musikwelten aufeinander

Abschlusskonzert der Konzertreihe Klangart im Skulpturenpark Waldfrieden.

Den oberen Pavillon im Skulpturenpark Waldfrieden zu erreichen, fällt denjenigen, die nicht gut zu Fuß sind, nicht leicht. Außerdem erwies sich in der Dunkelheit die Taschenlampe am Smartphone als eine vortreffliche Einrichtung. Dann hielt auch noch das berühmt-berüchtigte Wuppertaler Schmuddelwetter Einzug. Es regnete Bindfäden, als die Reihe „Klangart“ dorthin zu ihrer letzten Veranstaltung in diesem Jahr bat. Doch die Musikfreunde hier sind einiges gewohnt und schlenderten also wie selbstverständlich den Berg hinan. Resultat: Sämtliche Stühle waren besetzt, und jeder Besucher zeigte großen Gefallen an dem Konzert, das aufgrund des ausgiebigen Schlussapplauses in zwei Zugaben mündete.

Erstes Album
„Hope“ veröffentlicht

Pianist Kevin Hays aus den USA und der aus dem Benin stammende Gitarrist Lionel Loueke waren zu Gast. Insider kennen sich aus, arbeiteten beide doch bislang mit weltberühmten Jazzmusikern zusammen. Jack DeJohnette, Sonny Rollins oder John Scofield stehen in der Vita von Hays. In der von Loueke sind es unter anderem Esperanza Spalding Wayne Shorter und Herbie Hancock. Nun haben sich beide als Duo gefunden und haben in diesem Jahr ihr erstes Album mit dem Titel „Hope“ veröffentlicht. Damit befinden sie sich derzeit auf Tournee.

Nicht nur zwei unterschiedliche Kulturkreise prallen aufeinander. Auch die Kombination nur Klavier und Gitarre ist selbst auf dem Gebiet des Jazz nicht alltäglich. Solch eine Verbindung kann nur gelingen, wenn beide Musiker sehr sensibel mit viel Toleranz und Akzeptanz miteinander umgehen. Solch ein großartiger Umgang war an diesem Abend zu erleben. Kongenial harmonierten die beiden Musiker, die getrost mit zur Weltspitze gezählt werden können.

Jazz und Weltmusik gehen eine vortreffliche Symbiose ein

Anhand der auf obengenannter CD verewigten Eigenkompositionen wie „Twins“, „Hope“ und „Aziza“ mit ihren überwiegend eingängigen Motiven und Melodien gingen tradierter Jazz, westafrikanische Stile und Weltmusik eine vortreffliche Symbiose ein. Beide mehrstimmigen Instrumente passten exzellent zusammen, ergänzten sich, ließen Rhythmen, musikalische Linien oder Improvisationen perfekt changieren und bildeten im Unisono eine Einheit. Des Weiteren gingen Hays und Loueke ausgezeichnet mit ihren Stimmbändern um. Das Falsett (Kopfstimme) des Pianisten war locker und beweglich. Ebenso faszinierten der Scat (improvisiertes Singen von rhythmischen und melodischen Silben ohne Wortbedeutung) des Gitarristen und seine warm-weichen, eindringlichen, hochemotionalen Gesänge.

Heiter, verspielt, intensiv, fein durchstrukturiert waren die Vorträge des Duos, mal ruhig-balladesk-verträumt, dann wiederum forsch-schnell mit viel Groove, die das Publikum bezaubert mitverfolgte.

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