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Kantorei Dreiklang begeistert mit klangvollem Konzert

Kultur : Ein gehaltvolles Chorkonzert

Die Kantorei Dreiklang musizierte im Kulturzentrum Immanuel sehr gepflegt.

Unvollendete Werke gibt es in der Klassik viele, etwa Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“. Franz Xaver Süßmayr, laut Constanze Mozart ein Schüler von ihm um 1790, vervollständigte es. Diese Fassung wird bis heute am meisten gespielt. Aber auch seine große Messe in c-Moll (KV 427) hinterließ er als Torso. Dieses Opus hatte sich die Kantorei Dreiklang für ihr Herbstkonzert im Kulturzentrum Immanuel ausgesucht und begeisterte damit die zahlreich erschienenen Zuhörer.

Gerade seit der ersten kritischen Ausgabe dieses Fragments im Jahr 1956 gab und gibt es Bemühungen, es zu vollenden. Einer von ihnen ist der US-amerikanische Pianist, Musikpädagoge und –wissenschaftler Robert Levin (Jahrgang 1947), der es anno 2005 fertigstellte. Diese Version wurde aufgeführt.

Hochmusikalisch und
tief ausgelotet

Hinsichtlich Orchestrierung, Satztechnik, Umgang mit Harmonien und Melodieführung war die hinzukomponierte Musik Mozart pur, die zu hören war. Levin hatte sich also richtig Mühe gegeben und unter anderem aus Mozart-Skizzen logische Schlussfolgerungen gezogen. Trotzdem sollte das Fragezeichen im Raum stehenbleiben, ob der große Meister der Wiener Klassik es so geschrieben hätte. Denn: Klingen nicht seine vollendeten Werke, auch wenn sie noch so komplex sind, spielerisch leicht flüssiger als die an diesem frühen Abend gehörten Zusätze aus einer anderen Feder?

Abgesehen davon gelang Levin eine in sich runde schlüssige vollständige Messvertonung für Solisten, Chor und Orchester, die die Kantorei Dreiklang wohl zum ersten Mal in Wuppertal zur Aufführung brachte. Man kann vor dem Chor nur den Hut ziehen, wie er seine teils nicht leichten Partien (etwa Fugen und Doppelchörigkeit) hochmusikalisch und tief ausgelotet vermittelte. Unter dem präzisen Dirigat von Roland Schwark beeindruckte er mit einem ausgewogenen Klangbild. So fielen kleine Unsicherheiten, Intonationsschwankungen und ein paar ungenaue Einsätze nicht sonderlich ins Gewicht.

Hinzu gesellten sich zwei bestens disponierte Sopranistinnen. Agnes Kovacs und Dorothea Brandt brillierten dank ihrer beweglichen und in allen Registern sicheren Stimmen mit fesselnden Vorträgen. Auch Tenor Mark Heines gestaltete das „Et in Spiritum Sanctum“ sehr ausdrucksstark. Ebenso klar sang Bass Harald Martin die beiden Schlussnummern mit.

Hier wie bei Carl Philipp Emanuel Bachs 5. Sinfonie aus dem sechsteiligen Opus „Wq 182“ musizierte das kleine Orchester, das sich unter anderem aus Mitgliedern des Sinfonieorchesters Wuppertal zusammensetzte, trotz einiger Unsauberkeiten sehr gepflegt.

Lang anhaltende stehende Ovationen waren der Dank für ein gehaltvolles Chorkonzert.