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Kantorei: Dramatik und Zuversicht beim Weihnachtsoratorium

Kantorei: Dramatik und Zuversicht beim Weihnachtsoratorium

Die passende Musik für die Zeit nach dem Weihnachtsfest: Die Kantorei Barmen-Gemarke setzt am Sonntag auf Bach.

Wupperfeld. Für die Zeit nach dem Weihnachtsfest hat Johann Sebastian Bach die drei letzten Kantaten des Weihnachtsoratoriums geschrieben. Folgerichtig führten sie die Kantorei Barmen-Gemarke, das Ensemble concerto vivo, das Trompetenconsort Friedemann Immer und Solisten am Sonntag nach Neujahr, der in diesem Jahr auch der Dreikönigstag war, in der fast voll besetzten Immanuelskirche auf.

Der vierte Teil stellt das Gespräch der gläubigen Seele mit dem Heiland in den Mittelpunkt: Sopranistin Simone Krampe sang diese Arie ausdrucksvoll, mit der Antwort Jesu als Echo vom weiteren Sopran und der Flöte. Im vorangegangenen Rezitativ mit dem volltönenden Bassisten (Thilo Dahlmann) konnte sie allerdings den feinen, mittleren Lautstärkegrad nicht beibehalten.

Die tiefer gestimmten historischen Instrumente unterstrichen die weiche und fast opernhafte Anlage dieser Kantate, wenngleich die Naturton-Hörner oft um das tonreine Anblasen rangen. Die fünfte und sechste Kantate schildern die Ankunft, Anbetung des Kindes und Abreise der Weisen aus dem Morgenland. Prachtvoll gestaltete der Chor unter Wolfgang Kläsener, der auch die Truhenorgel spielte, den festlichen Eingangschor „Ehre sei dir, Gott“. Altistin Elisabeth Graf sang mit tiefer und raumfüllender Stimme zusammen mit dem akkordisch gesetzten Chor die Zeilen der aufgeregten Weisen: „Wo ist der neugeborene König“?

Dramatische Züge trägt das Terzett von Sopran, Alt und Tenor, vom Orchester erregt begleitet: „Ach, wenn wird die Zeit erscheinen?“ Doch voller Zuversicht endet der Chor mit seinem schlichten Choral.

Dramatisch beginnt auch der sechste Teil mit dem teils als vierstimmige Fuge geführten und sicher gesungenen Chorsatz „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ — eingeleitet und begleitet von heroischen Pauken und Trompeten.

Tenor Georg Poplutz erzählte mit klarer und deutlich artikulierender Stimme als Evangelist in seinem Rezitativ, wie die Weisen das Kind finden: „Ich steh an deiner Krippe hier“ ist der innige Anbetungschoral des klangvoll intonierenden Chores.

Indem das Weihnachtsoratorium mit der Choralmelodie des „O Haupt voll Blut und Wunden“ schließt, zeigt Bach eindringlich, dass in der Geburt Jesu sein Kreuzestod schon mitklingt.

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