„Kalif Storch“ im Opernhaus: Ein Kindheitstraum wird wahr

„Kalif Storch“ im Opernhaus: Ein Kindheitstraum wird wahr

Bagdad liegt ab Freitag in Barmen: Das Team der Bühnen bringt den Orient ins Tal.

Wuppertal. Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen darf, ahnt es bereits: Die Kostüme, die sich Helke Hasse ausgedacht hat, sind einfach märchenhaft — und machen aus Menschen Tiere. Thomas Braus und An Kuohn trifft es am auffälligsten: Als Storch und Störchin sollen die Schauspieler dem Weihnachtsstück der Wuppertaler Bühnen einen ganz eigenen Charakter verleihen — immerhin hat sich „Kalif Storch“ angekündigt. Und die Premiere am kommenden Freitag ist erst der Anfang: Insgesamt 29 Mal — bis zum 25. Dezember — soll die Familien-Produktion Zuschauer ab sechs Jahren ins Opernhaus locken.

Das führt unweigerlich zu einer theatralischen Frage: Wie werden Menschen überhaupt zu Tieren? „Oft wird es über Marionetten oder Projektionen gelöst“, weiß Kostüm- und Bühnenbildnerin Helke Hasse. „Ich finde es allerdings wichtig, dass die Störche die ganze Zeit auf der Bühne zu sehen sind.“ Also stattet sie die Schauspieler mit einem Kostüm aus, das an entscheidender Stelle einer Handpuppe gleicht. Hals, Kopf und vor allem Schnabel können Braus und Kuohn in ihrem eigenen Rhythmus bewegen. Hasse plant es mit einem Augenzwinkern: „So haben wir sozusagen echte Störche auf der Bühne.“

Auch Ingrid Gündisch ist freudig aufgeregt — und gespannt. Die 35-jährige Regisseurin feiert eine ganz besondere Premiere: Sie ist zwar nicht zum ersten Mal für junge Zuschauer, aber erstmals für die Wuppertaler Bühnen im Einsatz. Was ihr „Kalif Storch“ bedeutet? Da muss Gündisch nicht lange überlegen: „Ich habe das Märchen schon als Kind geliebt. Ich hatte es auf einer alten Schallplatte. Die habe ich immer noch!“ Denn die Faszination sei geblieben: „Die Sprache der Tiere zu verstehen, ist ein uralter Mythos. Und es ist ein Kindertraum, dass man sich verwandeln kann.“

Hauptsächlich geht es Gündisch jedoch um Zwischenmenschliches: „Wir erzählen eine starke Freundschaftsgeschichte“, betont die Regisseurin, die den Wuppertaler Weihnachtszauber seit Wochen „mit sehr viel Lust und Freude“ vorbereitet. Man soll eben nie aufgeben — es ist aber nicht nur diese Botschaft, die das junge Publikum erwartet.

Auch optisch halten Gündisch und Hasse einiges bereit: Bilderreich sei ihre Inszenierung — eine Mischung aus modernen und traditionellen Elementen. Vom prächtigen Palast bis zur grünen Wiese ist es in Barmen nicht weit: Zehn verschiedene Bilder hängen im Schnürboden — dem Raum über der Bühne, in dem Kulissen auf ihren Einsatz warten, also nach unten oder oben gezogen werden. „Da ist richtig was los“, verspricht Hasse. „Es ist eine Art Bilderbuch. Alles verwandelt sich offen auf der Bühne. Trotzdem senken sich die Kulissenteile wie von Zauberhand.“ Die Aussichten für alle, die Abwechslung lieben, sind entsprechend märchenhaft: Bis zu fünf Kostümwechsel haben die Darsteller zu meistern — viele von ihnen spielen gleich mehrere Rollen auf einmal.

“ Der Premierenvorhang hebt sich am Freitag, 30. November, um 18 Uhr. Karten und Infos zu allen weiteren Terminen gibt es unter www.wz-ticket.de

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