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Justus Frantz begrüßt das neue Jahr

Justus Frantz begrüßt das neue Jahr

Philharmonie der Nationen spielte in der Historischen Stadthalle.

Wuppertal. Maestro Justus Frantz plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen, bevor es mit der Romanze und dem Walzer aus der fünfsätzigen Suite „Maskerade“ des armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan (1903-1978) zur Sache ging.

Seine 57-jährige Freundschaft mit dem vor zwei Monaten verstorbenen Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt begann laut seiner Aussage, als er aus Protest gegen seine Mutter mit ihrer SPD-Sympathie der Jungen Union beitrat.

Doch mit seinem Engagement in der Partei war es bald vorbei, als er Schmidt für eine Rede auf einer Versammlung gewinnen konnte, ihn aber aus parteipolitischen Gründen wieder ausladen musste. „Da war für mich Schluss mit der Politik, und ich beschloss, Musiker zu werden“, verkündete Frantz.

Zu seinem Gedenken dirigierte er dann Chatschaturjans Romanze, das einzige melancholische Stück während dieses Neujahrskonzerts im Großen Saal der Stadthalle. Ansonsten war eher Frohsinn in der zweiten Konzerthälfte angesagt. Vieles von Vater und Sohn Strauss war zu hören. Dabei spielten die Mitglieder der Philharmonie der Nationen höchst professionell.

Chatschaturjans Walzer, Straussens „Polka schnell“ oder der populäre „Kaiserwalzer“ kamen fest zupackend ausgesprochen schwungvoll von der Bühne. Satte Streicherklänge, sonore Bläsersounds kreierten sie unter der geschäftigen Stabführung des populären Dirigenten. Nur die Schlagzeugabteilung übertrieb es manchmal ein wenig, wenn sie sich zu kraftvoll in den Vordergrund spielte. So wurden etwa die geschmackvollen Streicherpassagen bei „Unter Donner und Blitz“ zu sehr übertönt. Seriösere Klänge gab es zu Beginn mit zwei Werken Wolfgang Amadeus Mozarts.

Nach der nuanciert vorgetragenen Ouvertüre zur Oper „Die Zauberflöte“ setzte sich Frantz an den Konzertflügel. Denn nach der Orchestereinleitung des 23. Klavierkonzerts in A-Dur (KV 488) war er gleichzeitig Pianist und Dirigent. Von den Philharmonikern sensibel begleitet, glitten seine Finger bei den Ecksätzen wieselflink über die 88 Tasten. Glückte dabei zwischendurch eine Kleinigkeit nicht richtig, wurden die Ungenauigkeiten unter geschickter Verwendung des rechten Pedals professionell kaschiert.

Sehr schön anzuhören war der mittlere Satz, dessen anrührende Gedrücktheit sehr gehaltvoll herausgearbeitet wurde. Für viele waren die knapp zwei Stunden viel zu schnell vorbei. Doch Frantz beruhigte, als er die Enttäuschung bemerkte. Zwei Nummern gab es noch. Und dann, als wie überall bei Neujahrskonzerten der „Radetzky-Marsch“ angestimmt wurde, war klar: Mehr gibt es nicht. Anschließend hielt es keinen mehr auf den Stühlen. Frenetisch wurden Orchester und Frantz gefeiert.