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Junge Zupfmusiker aus Wuppertal trotzen der Corona-Krise

Musik : Junge Zupfmusiker trotzen Corona

Die 22-jährige Studentin stellt mit ihrer Kommilitonin Laura Engelmann und der Saarbrückerin Charlotte Kaiser den Vorstand des Bundsjugendzupforchesters, das sie erst im letzten Jahr gegründet haben. Die Coronakrise stellt es nun vor eine harte Bewährungsprobe.

Irgendwann in den letzten Monaten haben sie gedacht, dass alles enden würde, bevor es richtig begonnen hatte. „Wir sind ein junger Verein und wollen nichts falsch machen“, erklärt Clara Weise. Die 22-jährige Wuppertaler Studentin stellt zusammen mit ihrer Kommilitonin Laura Engelmann und der Saarbrückerin Charlotte Kaiser den Vorstand des Bundesjugendzupforchesters (BZJO), das sie erst im letzten Jahr gegründet haben. Die Coronakrise stellt es nun vor eine harte Bewährungsprobe - die es bestehen will. Vom 11. bis 15. August kommt das BJZO wieder zusammen.

Wuppertal ist eine Hochburg der Zupfmusik. In Deutschland gibt es nur drei Hochschulen (neben Wuppertal sind dies Kassel und Saarbrücken), die überhaupt das Mandolinenstudium ermöglichen. Caterina Lichtenberg wiederum ist die einzige Mandolinen-Professorin weltweit, sagen die beiden angehenden Musikerinnen, die zwei von zehn Mandolinenstudierenden im Kurs an der Musikhochschule sind. Für die Dresdenerin Weise und die Hannoveranerin Engelmann war Wuppertal auf dem eigenen Weg in den Beruf gesetzt - „weil hier die Szene ist“. Vorgezeichnet war auch der Weg zum Instrument selbst.

Die Familie gab den
Weg zur Mandoline vor

Für die 22-jährige Laura kam als Enkelin des Mandolinen- und Gitarrenorchester-Gründers Friedrich Engelmann stets nur die Mandoline wirklich in Frage - wenngleich sie auch Klavier, Gitarre und Kontrabass lernte. Und Clara wollte schon als kleines Mädchen in die Fußstapfen des Vaters treten, der Mandolinen- und Gitarrenlehrer ist. Obwohl ihr in jungen Jahren über das Instrumentenkarussell der Musikschule andere Instrumente nahegebracht wurden.

Die Zupfmusikszene ist überschaubar. Meist treffe man nur als Konkurrenten bei Wettbewerben aufeinander, wissen die jungen Frauen. Umso mehr genossen sie es, als sie 2018 beim Schleswig-Holstein Musik Festival einfach so ins Gespräch kamen, sich gut verstanden, etwas gemeinsam schaffen wollten. Ziemlich schnell sei klar gewesen, dass man ein Bundesjugendorchester gründen wollte, erinnert Weise. Also wurden alle privaten Kontakte angeschrieben, ein Zusammentreffen organisiert und auch eine Dirigentin ausgewählt.

In der Masterstudentin Orchesterdirigieren, Lisa Hummel, fand man die zum Projekt passende Leiterin. Sie hatte zwar schon als Organistin und Dirigentin gearbeitet, stand nun aber erstmals vor einem Zupforchester – bereit, „sich auf etwas Neues einzulassen“, so Weise. Gerade das Fachfremde sei reizvoll und spannend, „man redet viel mehr über die Musik, ohne Vorurteile“, ergänzt Engelmann.

30 junge Zupfmusiker (15 Mandolinen, fünf Mandolen, neun Gitarren und ein Kontrabass), Mitglieder aus Landesorchestern, Preisträger und Studierende zwischen 16 und 25 Jahren kamen im August 2019 auf Schloss Ascheberg zusammen. Sie spielten direkt am ersten Abend alle von den Organisatorinnen ausgesuchten Stücke im Rahmen einer „Tutti-Crash-Probe“ durch. Ein Auftakt nach Maß, dem eine intensive Probenwoche und ein Gründungskonzert auf einer kleinen Bühne in Bad Segeberg folgten. Ende 2019 wurden der Verein gegründet und die Gemeinnützigkeit gewährt. Das Orchester finanziert sich bislang ausschließlich durch Beiträge und Spenden. Eine Förderung soll im nächsten Jahr beantragt werden.

Entscheidung fiel vor
zwei Monaten

Im August 2020 wollte sich das Orchester zum zweiten Mal treffen. Das Datum stand, der Ferien wegen, schon lange fest. Bis die Coronakrise kam. „Dass wir kein richtiges Live-Konzert haben würden, war schnell klar“, erzählt Engelmann. Ansonsten wartete man ab, entschied vor zwei Monaten, am analogen Jahrestreffen des Orchesters festzuhalten. Die jungen Frauen blicken auf ein weitgehend virtuelles Semester zurück. Vieles wurde verschoben, die Prüfungen konnten aber absolviert werden.

Auch sie hatten sich coronabedingt lange nicht gesehen, erarbeiteten nun gemeinsam ein ausführliches Schutzmaßnahmenkonzept für die Jugendherberge Wernigerode. Die bietet den Musikern einen 160 Quadratmeter großen Raum, der auch Proben mit Abstand erlaubt. Die Zimmer werden nur mit maximal zwei Personen belegt. Sämtliche Pläne wurden den BJZO-Mitgliedern vorgestellt, die Anregungen gaben und dann frei entschieden, ob sie mitmachen würden.

Nun kommen sogar 32 Musiker aus elf Bundesländern zusammen, darunter mehr Gitarristen und weniger Mandolinisten als bei der Gründung. Das Alter reicht diesmal von 15 bis 30 Jahre. Alle haben seit Anfang März nicht mehr in Orchestern gespielt, treffen sich ab dem 11. August, um ein anderthalb-stündiges Programm mit zeitgenössischer, neuer, wenig gespielter Musik sowie Bearbeitungen, etwa von Saint Saëns, zu erarbeiten. „Wir wollen auch den Horizont erweitern“, erklärt Weise.

Die Frauen freuen sich auf ihr Treffen, das wieder mit einem Konzert gekrönt werden soll. Am 15. August - ohne Live-Publikum, aber dafür live übertragen im Netz.