Julio Rondo stellt bei Grölle aus

Ausstellung : Julio Rondo zeigt „Eingefrorene Spontanität“

Die Galerie Grölle pass:projects präsentiert bis zum 30. November Hinterglasmalereien.

Große farbige Flächen hinter Glas, transparent wie frisch darübergewischt. Nur an den Rändern blitzen klare Formen und aufgesprühte Linien in leuchtenden Farben hervor. Die Kompositionen des spanischen Künstlers Julio Rondo wirken auf den ersten Blick willkürlich – bis sich beim näheren Herantreten die verschiedenen Ebenen voneinander abheben: Zwischen Glas und Hintergrund befindet sich ein Zwischenraum, in dem Farbe, Licht und Material in einen sich je nach Blickwinkel verändernden Dialog treten. Noch bis zum 30. November sind Rondos Hinterglasmalereien unter dem Ausstellungstitel „O.K., Let’s panic later“ in der Galerie Grölle pass:projects zu sehen.

Konstruktion wird durch
zufällige Elemente ergänzt

Jürgen Grölle habe sich die Werke Rondos zunächst online angesehen und sei danach eigentlich nicht interessiert gewesen. „Als ich die Bilder dann live gesehen habe, war ich geflasht“, erzählt der Galerist. Die Überlagerungen von Glasscheibe und Hintergrund lassen mehr Farbflächen entstehen als eigentlich vorhanden und das Glas spiegelt die Farbe des Untergrundes an anderen Stellen auf ihn zurück. „Die Arbeiten sind unheimlich sicher“, so Grölle. „Er weiß bei jedem Strich genau, was er tut.“ Die Konstruktion wird jedoch durch zufällige Elemente ergänzt, etwa durch feine Unterbrechungen, als habe der Künstler den Pinsel beim Ziehen der Farbe neu angesetzt.

„Es ist immer die Frage, was man mit abstrakter Malerei heute noch machen kann, eigentlich ist da alles gesagt“, so Grölle. Rondos Werke jedoch überzeugten ihn durch das Ausloten der Grenzen von Spontanität und Bewegung. Dazu trage auch das Material bei: „Das Glas zwingt ihn, klare Entscheidungen zu treffen und entweder sitzt es dann oder nicht“, so Grölle. Er könne nicht einfach übermalen, was nicht gelungen sei. Rondo mache zwar Vorzeichnungen auf der Glasfläche, aber das Ergebnis könne er erst sehen, wenn die Farbe trocken und die beiden Ebenen voreinander aufgestellt seien.

„Die Bilder haben so eine Wirkung von eingefrorener Spontanität, das finde ich toll. Und dazu sind sie auch noch schön!“ Dabei sei Ästhetik in der abstrakten Malerei lange Zeit nahezu verpönt gewesen, kritisiert Grölle: „Hauptsache der normale Mensch versteht das Bild nicht.“ Rondos Arbeiten seien hochprofessionell, aber zugleich ästhetisch ansprechend. Bis auf die beiden ältesten Beiträge, die sich in ihrer Farbigkeit und Technik klar von den neueren Arbeiten unterscheiden, sind alle Werke eigens für die Ausstellung entstanden.

Die Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags 16 bis 19 Uhr, samstags 11 bis 14.30 Uhr.

Mehr von Westdeutsche Zeitung